Karl-Gierlichs-Straße

Diese Straße lag früher außerhalb des Ortes und hatte schon viele Bezeichnungen. Hier soll außerhalb der Umwallung eine Spielburg (Bezeichnung für ein Gemeindeversammlungshaus, dort wurden auch die Gerichtsprozesse abgehalten, K 280, K 332.) -anscheinend für Kleinkempen- die Liedgesburg an Stelle des Hauses Nr. 19 gestanden haben. Schon um 1396 nennt sich diese Nachbarschaft, welche wohl den Bereich der alten Bebauung außerhalb der Ortsbefestigung in Richtung Westen meint, ‚Hinter der Speelborg‘, K 280. 1501 wird ‚Spelberch‘; 1650 ‚op der Spilborch‘ erwähnt; dann ‚Auf der Burg‘, K 295, und um 1870 ‚Liedgesburg‘, K 428. 1896 wird sie ‚Burgstraße‘ genannt, K 428, und behielt diesen Namen bis zur Kommunalen Neugliederung. Da es in Willich eine Straße gleichen Namens gab, wurde sie durch den Hauptausschuss am 06.05.1971 in „Karl-Gierlichs-Straße“, nach dem Anrather Bürgermeister Karl Gierlichs, umbenannt, AHB 1980, 39.

Carl Josef Gierlichs (* 06. Januar 1819 in Leichlingen; † 22. Oktober 1887 in Anrath) entstammt einem alten Bauerngeschlecht und als zweitältester Sohn des Halfen Johann Theodor Gierlichs auf dem Scheffgesmüllerhof an der Wupper bei Leichlingen geboren. Er erlernte den Kaufmannsberuf, kam als Krämer und Gastwirt nach Anrath, wurde hier mit jungen Jahren am 24.10.1844 zum Bürgermeister gewählt und übernahm im Jahre 1868 zusätzlich die Verwaltung der Bürgermeisterei Willich. Fünf Kinder entsprangen der Ehe mit Anna Gertrud Hören, eine Bauerntochter aus Anrath, die er am 09.02.1847 heiratete.

Carl Josef Gierlichs hat bis zu seinem Tode, also mehr als 40 Jahre, die Geschicke von Anrath und Willich erfolgreich geleitet. Sein fester Charakter, sein Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein wurden sehr glücklich ergänzt durch sein politisches Fingerspitzengefühl. Das befähigte ihn, auch in kritischen Zeiten vermittelnd zu wirken, ohne eigene Grundsätze aufzugeben.

Neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister von Anrath und Willich vereinigte Bürgermeister Gierlichs im Laufe der Zeit eine große Anzahl von Ämtern in seiner Hand. Er war 1. Kreisdeputierter, Lokalschulinspektor in Anrath und Willich, 30 Jahre Mitglied und zuletzt Präsident des Kirchenvorstandes. Er starb nach einem erfüllten Leben am 25.10.1887. Sein erfolgreicher Einsatz für das Gemeinwohl hat ihm nicht nur Vertrauen und Zuneigung seiner Mitbürger, sondern auch offizielle Ehrungen eingetragen. Zu Lebzeiten erhielt er den Roten Adlerorden IV. Klasse. Nach seinem Tode wurde eine Straße in Anrath nach ihm benannt, AHB 1982, 17 und K 436.