Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 23. Feb. 2017

Der Bürgerverein Anrath e.V.

(Aus dem Heimatbuch 2010)

Der Bürgerverein Anrath ist ein Verein von Bürgern für Bürger. In seiner Satzung hat er sich die Pflege des Brauchtums sowie die Förderung von Kunst und Kultur in Anrath zur Aufgabe gemacht. Weshalb gibt es in Anrath einen Bürgerverein? Dafür muss ich in die Geschichte zurückgehen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war das Volk unzufrieden mit der Obrigkeit. In vielen Städten und Gemeinden wurden Bürgervereine gegründet, um dem Volk mehr Mitspracherecht zu ermöglichen. So wurde auch 1848 in Anrath ein Bürgerverein gegründet, der bis zum allgemeinen Verbot der Bürgervereine in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bestand.

Nach dem 2. Weltkrieg in der Zeit des Wiederaufbaus geriet dieser Verein in Vergessenheit.

Nach der kommunalen Neugliederung und Gründung der Stadt Willich am 1. Januar 1970, die gegen den Willen der Anrather und Neersener Bürger von der Landesregierung beschlossen wurde, hatte nun die „Obrigkeit“ wieder gegen Volkeswillen gehandelt. In Anrath hatte man einerseits Sorge, gegenüber den anderen Stadtteilen benachteiligt zu werden, andererseits wollte man sich aber auch ein wenig Eigenständigkeit bewahren.

Wie sollte das gehen? Wer könnte eine solche Aufgabe übernehmen?

Schon in der Märzausgabe der unabhängigen Zeitung für die Stadt Willich „Heimat im Blickpunkt“ hieß es: „ Was halten Sie von einem Bürgerverein?“ Die große Resonanz überraschte nicht, und nach mehreren vorbereitenden Besprechungen nahm im Oktober 1970 wieder ein Bürgerverein in Anrath seine Arbeit auf. Die Versammlung wählte zum 1. Vorsitzenden Werner Link. 1973, also drei Jahre nach seiner Gründung, legte der Bürgerverein Anrath den Schwerpunkt seiner Arbeit auf Förderung von Kunst und Kultur sowie Pflege des Brauchtums. So ist es auch noch heute. Was aber nicht heißen soll, dass wir nicht wachsam auf die Belange der Anrather Bevölkerung blicken. Ich erinnere an die zähen Verhandlungen mit der Stadt Willich zur Einrichtung des Anrather Bürgerbusses, die schließlich zum Erfolg führten. Die Fahrgastzahlen belegen , dass hierfür Bedarf bestand. Viele Gespräche waren notwendig, um Rat und Verwaltung der Stadt Willich zu überzeugen, dass ein tausendjähriger Geburtstag es wert ist, gefeiert zu werden. Informationstafeln an den Standorten der vier Dorftore und das offizielle Logo zum 1000jährigen Bestehens Anrath am Rathaus wurden auf Kosten des Bürgervereins Anrath erstellt und angebracht. Die Restaurierung der Kreuzwegstationen im Theodor-Heuß-Park geschah auf Initiative des Bürgervereins Anrath.

Die Gedenkmedaille des Kreises Viersen wurde auf Anregung des Bürgervereins Anrath in den Jahren 1997, 2002 und 2010 Anrather Persönlichkeiten gewidmet:

1997: Professor Wilhelm Teuwen 1908-1967, Maler und bedeutender Entwurfzeichner für Glasmalerei (siehe Anrather Heimatbuch 1999 und 2003),

2002: Harmen Doomer 1595-1650 Prunkschränkemacher und Bilderrahmenschnitzer Rembrandts (siehe Anrather Heimatbuch 2003 und 2004)

2010: Dr. Gottfried Kricker 1886-1972, Autor „Geschichte der Gemeinde Anrath“ (siehe Anrather Heimatbuch 1980, 1983 und 2010).

Als im Jahr 2000 auf der Antiquitätenmesse in Maastricht das Bild „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen“ von Lambert Doomer angeboten wurde, informierte der Bürgerverein Anrath darüber die Sparkassenstiftung „Natur und Kultur“. Nachdem die Stiftung das Gemälde erworben hatte, stellte sie es dem Kramer-Museum in Kempen zur Verfügung. So kam eine Arbeit von Lambert Doomer zwar nicht nach Anrath, aber an den Niederrhein. Dies sind nur einige Beispiele aus der vielfältigen Arbeit des Bürgervereins Anrath, der mit der Pflege der Mundart, Archivieren von Text- und Bildmaterial und der jährlichen Herausgabe des „Anrather Heimatbuches“ dafür sorgt, dass Anrather Kulturgut und Geschichte nicht verloren gehen.

Wenn sich auch seit seines Bestehens vieles verändert hat, so versteht sich der Bürgerverein Anrath auch noch heute als Mittler zwischen Bürgern und Stadtrat quer durch alle Parteien.

von Karla Meiendresch

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