Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 14. Jan. 2016

Chronik

Berichte über Aktuelles in Anrath und Aktivitäten des Bürgervereins

16. Januar 2013

Mit dem Nachtwächter durch Krefeld-Linn

Der Bürgerverein hatte am 16.1.2013 einen abendlichen Rundgang mit dem Nachtwächter durch das historische Linn auf dem Programm.

Das Burgstädtchen präsentierte sich seinen Besuchern an diesem zu Ende gehenden Januarabend so klirrend-kalt, dass alle froh waren, zunächst einmal in den warmen Räumen in der urgemütlichen Gaststube des „Café Konkurs“ Unterschlupf gefunden zu haben. Eine kräftige, deftige Portion Grünkohl sorgte für die nötige Basis, sich in eine kalte Nacht hinauswagen zu können.

Nach der vorzüglichen Stärkung erschien der Nachtwächter Heinz Peter Beurskens, der auf der Suche nach Steuersündern aus längst vergangenen Zeiten war. In Friedel fand er einen reuigen Sünder, den er auch alsbald mit beiden Handgelenken in einem Pranger arretierte. Erst nach der Zusicherung einer Lösegeldzahlung in schwindelerregender Höhe wurde er entlassen und durfte für den nun beginnenden Rundgang das Amt des Nachtwächter-Gehilfen ausüben, zu dessen ordnungsgemäßer Verrichtung er sogleich mit einem langen Schäfermantel und Hellebarde versehen wurde. Weitere Teilnehmer erhielten Handlaternen, um das Dorf zu nächtlicher Stunde ein wenig zu erhellen oder auch um die klammen Finger zu erwärmen.

An diesem Abend führte uns Heinz Peter Beurskens in viele Ecken und vor viele Häuser, an denen man sonst achtlos vorüber gehen würde. Unendlich viele historische Details erzählte er - und manche Geschichte stammte bestimmt aus der Flunkerkiste. Verbürgt sind aber seine Angaben zum schmalsten Haus: „In diesem 2,85m breiten Haus wohnte ein Schuster. Das daran angrenzende große Gebäude gehörte einem Politiker.“ - Und mit einem Seitenhieb: „Das ist auch heute nicht anders.“

Zu jeder Stätte hatte er eine kleine Anekdote parat, die mit der Entstehung des Gebäudes verbunden ist oder ein wenig von dem Leben seiner Bewohner schildert; begleitet durch kleine Spielszenen, von Linner Bürgern mitgestaltet, wurden mittelalterliche Zeiten wieder lebendig, u.a. ergoss eine Mitspielerin unter lautem Geschimpfe den Inhalt eines Nachttopfes aus dem ersten Stock ihres Hauses auf den untreuen Gatten unten vor der Haustür.

Nach einer kurzen Rast in der noch weihnachtlich geschmückten Kirche St. Margareta besuchten wir natürlich auch die wunderschön angestrahlte Linner Burg, auf deren nachträglich aufgesetzte Türmchen besonders hingewiesen wurde, die uns sonst nicht so bewusst geworden wären.

Alle Teilnehmer des Rundgangs waren sich einig, dass man einen interessanten und kurzweiligen Abend in geselligem Kreis erlebt hat, der mit einem wohl verdienten Absacker im Café Konkurs endete.

Dem Organisator Friedel Kluth und dem Nachtwächter Heinz Peter Beurskens herzlichen Dank!

Marlies Pasch