Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 14. Jan. 2016

Chronik

Berichte über Aktuelles in Anrath und Aktivitäten des Bürgervereins

01. Oktober 2011

Mit dem Bürgerverein nach Xanten

- eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit -

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlicher Hitze fand am 1. Oktober 2011 unsere Fahrt nach Xanten statt. Schon der berühmte Dichter Horaz meinte: „Carpe diem“, nutze den Tag! Und so machten sich 24 Reiselustige schon früh am Morgen um 8 Uhr mit Bus und Bahn auf den Weg gen Xanten und freuten sich auf einen interessanten und anregenden Tag, denn Xanten ist eine kleine, saubere Stadt mit einem großen Marktplatz, deren Häuser ein bisschen denen der Niederlande ähneln, zumal die Grenze nicht weit ist.

Wer das Ratespiel „Stadt, Land, Fluss“ noch aus seiner Schulzeit kennt, der kennt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Xanten. Denn die Stadt am Niederrhein, so erklärte die versierte Gästeführerin Mechthilde van Bouwen, sei die einzige Stadt in Deutschland, die mit einem X beginne. Auch weltweit gebe es nur eine Handvoll weiterer Städte mit X (die meisten davon in China). Das allein ist schon eine Attraktion! Unsere Frage nach dem Namen erklärte sie auch: Bei den heiligen Märtyrern heißt „ad sanctos martyres“; lässt man das Wörtchen „martyres“ weg, dann hat man „ad sanctos“, aus dem sich dann im Laufe der Jahrhunderte die Bezeichnung „Xanten“ entwickelt hat.

Das antike Xanten war die drittgrößte Stadt nördlich der Alpen. Sie hatte sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Castra Vetera, dem Lager von Varus Legionären gebildet. Dort ist gegen Ende des 2. Jahrhunderts der heilige Viktor den Märtyrertod gestorben, zusammen mit anderen Christen. Das und vieles mehr erfuhren wir bei einem historischen Stadtrundgang. Weiter erzählte sie: „Soldaten christlichen Glaubens aus der so genannten Thebäischen Legion, die sich geweigert hatten, dem Standbild des Kaisers oder dem Standbild des Staatsgottes Jupiter Opfer zu bringen, waren hingerichtet worden.“ In der Legende heißt es weiter, sie seien dann erstmals westlich von Xanten in den Sumpf geworfen und später beigesetzt worden. Der Dom St. Viktor wurde im Mittelalter als Stiftskirche über der Grabstätte des Heiligen errichtet; mit seinen beiden hohen Türmen prägt er das Stadtbild.

Sehr anschaulich wurden uns das Innere des Domes und seine Ausstattung erläutert und auf Besonderheiten und ihre Bedeutung hingewiesen - Hochaltarretabel mit Viktorschrein, Marienaltar mit der Wurzel Jesse, Lettner und Gemeindealtar und Krypta (um nur einige zu nennen). Das Wissen und die Begeisterung unserer Gästeführerin schien unerschöpflich!

Ein ausführlicher Stadtrundgang führte uns schließlich auch in die „Börse“. Hungrig und glücklich ließen wir uns dort zum Mittagessen nieder, das einige von uns mit dem obligatorischen Kanonikus-Likör abrundeten.

Die ausgiebige Mittagspause hatte uns gestärkt und geholfen, uns auf den nächsten Höhepunkt unserer Fahrt einzustellen, den archäologischen Park, ein Highlight und ein Muss für jeden Xantenbesucher!! Dieser zeigt Überbleibsel der alten römischen Stadt Colonia Ulpia Trajana, der ca. im Jahr 100 das Stadtrecht verliehen wurde. Zahlreiche Baukomplexe sind dort originalgetreu nachgebaut, so dass wir uns gut in die damalige Zeit zurückversetzen konnten.

Wir betraten den Archäologischen Park durch das Hafentor; ganz in seiner Nähe stieß man bei Ausgrabungen auf die Reste eines römischen Tempels, der wegen seiner Lage „Hafentempel“ genannt wird. Restauriert wurde und wird immer nur das, was gesichert nachgewiesen werden kann: der umlaufende Fries war ebenso reich verziert wie die korinthischen Säulenkapitelle, die auch farbig gestaltet waren.

Wir besichtigten auch das Badehaus mit seinen Umkleideräumen, Bädern und einer Sauna, das uns sogar für heutige Verhältnisse recht fortschrittlich erschien, zumal es schon eine Heizung und warmes Wasser gab.

Im nachgebauten Gästehaus aßen damals Reiche im Liegen. Dabei lagen sie auf einem Sofa, der Tisch stand in der Mitte. Mit der linken Hand stützte man sich auf dem Sofa ab, mit der anderen aß man; zusätzlich halfen Bedienstete. Frauen waren nicht dabei. Na ja! Wem's so gefällt!!

Schon ziemlich erschöpft und ausgelaugt stapften wir zurück ins Städtchen. Ein leckeres Eis konnte uns wohl munden, einige von uns hatten schon am Mittag die beste Eisdiele ausgemacht und die Lage sondiert. Eisschleckend konnte man die Hitze aushalten und den Tag ausklingen lassen.

Als wir gegen 20 Uhr wieder im nur 1001-jährigen Anrath eintrafen, waren die meisten rechtschaffen müde und wie auf einen Schlag waren alle blitzschnell verschwunden.

Es war ein langer Tag, der hoffentlich viele Eindrücke hinterlassen hat und vielleicht zu einem weiteren Besuch des geschichtsträchtigen Städtchens einlädt, von dem wir nur einige Facetten kennen gelernt haben.

Marlies Pasch