Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Chronik

Berichte über Aktuelles in Anrath und Aktivitäten des Bürgervereins

27.05.2011

Die 1922 gestohlene Nepomuk-Statue ist in Xanten wieder aufgetaucht.




aus wz-newsline.de vom 27.05.2011:

Nepomuk ist wieder da

Von Kerstin Reemen - Die 1992 gestohlene Figur des Heiligen ist in Xanten gefunden worden. Die Freude über die glückliche Rückkehr ist in Clörath-Vennheide groß.

Dieter Lambertz, stellvertretender Bürgermeister von Willich, und Pfarrer Markus Poltermann (r.) freuen sich über die Rückkehr des Heiligen Nepomuk. 1992 war die Figur gestohlen worden. Foto: Kurt Lübke

Anrath. Fast 20 Jahre lang stand er auf der Vermisstenliste. Nun ist Nepomuk wieder aufgetaucht. In tadellosem Zustand und kaum gealtert. Die Polizei kann die Vermisstensache mit dem Hinweis "erledigt" zu den Akten legen.

Die in Xanten sichergestellte massive Holzfigur ist wieder in Clörath-Vennheide. Am Freitag hat Dieter Lambertz Nepomuk im Auftrag der Kirchengemeinde St. Johannes aus der Asservatenkammer der Xantener Polizei nach Hause geholt. Lambertz: "Als ich ihm Aug' in Aug' gegenüberstand, habe ich ihm gesagt: "Du hast dich gar nicht verändert."

Xantenerin entdeckte sakrale Figur im Gras

Gestern Vormittag hatte Polizei-Pressesprecherin Antje Heymanns gemeldet, dass die 1992 gestohlene Figur wieder zurückkehren wird. Die Xantenerin Angelika Gesthuysen hatte bei einem Spaziergang am 10. Mai mehrere sakrale Gegenstände auf einem Schotterparkplatz am Strandbad Xantener Südsee gefunden.

Es handelte sich um eine hölzerne Marienfigur, ein Ölgemälde und die Figur des Heiligen Nepomuk, 1,60 Meter groß, aus dunklem Linden- oder Nussbaumholz. Lambertz: "Nepomuk lag auf dem Rücken im Gras, war offensichtlich erst kurz vorher dort abgelegt worden."

"Ich stehe hier gerade im Asservatenkeller in Xanten direkt vor Nepomuk. Er ist in einem fantastischen Zustand." Dieter Lambertz Freitagvormittag in einem ersten Telefonat mit der WZ

Beamte der Kreispolizei Wesel stellten die Fundsachen sicher und machten sich auf die Suche nach den Eigentümern - im Falle von Nepomuk mit Erfolg. Ein Schriftstück im Bundeskriminalamt brachte schließlich den entscheidenden Hinweis.

"Donnerstagmorgen bin ich informiert worden", sagt Pfarrer Markus Poltermann. Schon vor Jahren sei ihm die Geschichte der aus dem Heiligenhäuschen verschwundenen Figur erzählt worden.

"Eine Heiligen-Figur wird nie außer Dienst gestellt", sagt Poltermann. Wenn er entsprechend sicher installiert werden könne, "dann kann der ursprüngliche Nepomuk wieder an seinen Platz".

Legende
Früher führte eine hölzerne Brücke über den Flöthbach. Der Sage nach nahm diesen Weg Ende des 18. Jahrhunderts eine Tauf-Gesellschaft nach einer fröhlichen Feier im Wirtshaus. Zu Hause an der Gibbermühle angekommen, war der Täufling, der in Leinendecken (Bomesienes) eingewickelt worden war, weg. Die Taufpaten mussten den Jungen unterwegs verloren haben. Die Suche an der Flöthbach hatte Erfolg, der Säugling wurde unversehrt am Ufer im Schilff entdeckt. Jahre später stellte Johannes Bonsels, Sohn des Müllers, aus Dankbarkeit über seine Rettung das Heiligenbild des Johannes von Nepomuk auf. Mehr dazu: www.familie-slickers.de

Diebstahl
1920 entstand ein neues Kapellchen, in dem die hölzerne Nepomuk-Figur bis zu ihrem Diebstahl 1992 stand. Clörather, Vennheider und Anrather spendeten und finanzierten 1995 eine Ersatzfigur. Sie wurde diebstahlsicher eingebaut.

Für den Ersatz-Heiligen, der seit 1995 in dem Kapellchen in Vennheide Vertretungsdienst machte, werde dann, so Poltermann, ein ansprechender anderer Platz gefunden. Denkbar ist aber wohl auch, dass die Original-Figur einen Platz in der Pfarrkirche St. Johannes bekommt. Darüber wird man sich nun in größerem Kreis Gedanken machen.

Für Dieter Lambertz ist Nepomuks Rückkehr auch eine persönliche Herzensangelegenheit: "In der Gibber-Mühle lebte einst der Sohn der Müllersfamilie Bonsels, Johannes, der den Brückenheiligen aus Dank für seine Rettung verehrte. Und ich", sagt Lambertz, "bin der Letztgeborene der Gibber-Mühle."





aus der Rheinischen Post vom 28.05.2011:

Heiliger Nepomuk ist zurück

Von Nadja Joppen - Pfarrer Markus Poltermann tippte gestern "nicht nur auf einen kunstsachverständigen, sondern auch auf einen christlich angehauchten Dieb" - angesichts einer fast unglaublichen Geschichte: Nepomuk ist wieder daheim.

Der Brückenheilige Nepomuk ist nach 19 Jahren wieder in Xanten an der Südsee aufgetaucht. Dieter Lambertz (r.) holte gestern die Holzskulptur ab, mit ihm freute sich Pfarrer Markus Poltermann. Fotos: Stefan Finger

Anrath/Xanten - Die Odyssee dauerte 19 Jahre. Unbekannte hatten 1992 die 1,60 Meter große, aus Massivholz geschnitzte Figur aus dem Heiligenhäuschen an der Viersener Straße gestohlen. Es gab keine Spur. Die Figur war dann 1995, finanziert durch viele Spenden der Bürger aus Clörath-Vennheide und Anrath, ebenfalls durch einen Nepomuk ersetzt worden. Nun tauchte das Original in Xanten wieder auf.

Die Xantenerin Angelika Gesthuysen hatte am 10. Mai nachmittags auf dem Schotterparkplatz an der Xantener Südsee mehrere sakrale Gegenstände unbekannter Herkunft gefunden. Es handelte sich um Nepomuk, eine hölzerne Marienfigur sowie ein Ölgemälde mit der Kreuzigungsszene. Sie wurden in eine Polizeidatenbank für gestohlene Kunstwerke gestellt.

Nepomuk konnte Clörath/Vennheide zugeordnet werden: Ein Xantener Polizist kennt einen inzwischen pensionierten Kollegen in Anrath, Dieter Lambertz, der die Figur eindeutig identifizieren konnte. Gestern holte Lambertz sie zurück - gut gesichert und angeschnallt auf dem Beifahrersitz seines Autos. "Als ich davor stand, hatte ich Tränen in den Augen", sagte Lambertz. Die gute Nachricht: Die Figur (Schätzwert 20 000 Euro) ist bestens erhalten.

Info
Nepomuk (richtig Johannes Nepomuk) stammt vermutlich aus einer deutsch-böhmischen Familie, wurde 1380 zum Priester geweiht und geriet wegen Kirchenangelegenheiten in einen Streit mit König Wenzel IV. Der ließ ihn verhaften, foltern, von der Karlsbrücke in Prag werfen und ertränken. Der Legende nach soll sich der 1729 heilig gesprochene Nepomuk vor König Wenzel geweigert haben, das Beichtgeheimnis gegenüber der Königin zu brechen.

Alle Gegenstände waren an einem belebten Weg abgelegt worden, die Finderin selbst war an der Stelle schon auf dem Hinweg vorbei gekommen. "Die sollten gefunden werden", vermutet Poltermann und glaubt, dass es sich um einen reuigen Dieb handelt. Lambertz erinnerte an die Stiftungsgeschichte der Figur: Zwischen 1780 und 1800 lebte an der Gibber-Mühle eine Familie Müller Bonsels, deren Sohn Johannes in Anrath getauft wurde.

Die Feier und die Rückkehr zu Fuß waren so feucht-fröhlich, dass niemand bemerkte, dass der Täufling aus dem Kleiderbündel gerutscht war. Er wurde im Schilf an einer Planke über die Flöth gefunden und gerettet - als Erwachsener stiftete er die Figur. Noch offen ist nun, wo die beiden Nepomuks stehen sollen. Sicher ist, dass der "Wiedergefundene" bei einem Gottesdienst nach Fronleichnam der Gemeinde präsentiert wird.



Das Heiligenhäuschen an der Viersener Straße mit neuem Nepomuk