Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Chronik

Berichte über Aktuelles in Anrath und Aktivitäten des Bürgervereins

19.11.2010

Zu Ehren des Heimatforschers Gottfried Kricker hat der Kreis Viersen eine Gedenkmünze prägen lassen.




aus wz-newsline.de vom 19.11.2010:

Erinnerung an einen echten Heimatforscher

von Susanne Böhling - Kreis und Sparkasse erinnern an Dr. Gottfried Kricker aus Anrath.

Präsentieren die Gedenkmedaille (v.l.): Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Ludger Gooßens, Karla Meiendresch (Bürgerverein), Gerhard Rehm (Kreisarchivar), Sibille Jäger (Bürgerverein) und Landrat Peter Ottmann. (Foto: Knappe)

Kreis Viersen. Ein weiterer Höhepunkt für den Bürgerverein zur 1000-Jahr-Feier von Anrath: Die diesjährige Gedenkmedaille des Kreises Viersen zeigt den Anrather Heimatforscher Dr. Gottfried Kricker. "Im Jahr 2008 haben wir das beantragt", sagt Karla Meiendresch, Vorsitzende des Anrather Bürgervereins. Sibille Jäger hat das Material zusammengestellt, anhand dessen der Kreis und die Sparkasse Krefeld als Herausgeber der Medaille sich für Kricker entschieden. Am Freitag wurde die Medaille in Viersen vorgestellt.

Der Bibliotheksrat schrieb ein 500 Seiten starkes Buch über Anrath

Kricker wurde 1886 in Anrath geboren, studierte Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaften an renommierten Universitäten und war schließlich Bibliotheksrat an der Kölner Unibibliothek. Nach seiner Pensionierung gingen er und seine Frau zurück nach Anrath, er verschrieb sich der Heimatforschung und legte 1959 ein 500 Seiten-Werk vor: "Geschichte der Gemeinde Anrath von den Anfängen bis zur Gegenwart".

"Der hat alle Quellen selbst gesichtet und bewertet", lobt Kreisarchivar Gerhard Rehm das Werk. Das Buch sei keines für den Strand oder die Badewanne, aber umfassend und gut gegliedert gibt es Antworten zu fast allen Fragen aus der Vergangenheit. Kricker wollte, dass die "Eingesessenen" Sinn und Verständnis für das geschichtliche Werden der Heimat und das Schicksal ihrer Bewohner entwickeln.

Die Medaille kostet 55 Euro und ist in den Geschäftsstellen der Sparkasse Krefeld erhältlich.




aus der Rheinischen Post vom 20.11.2010:

Andenken an einen Anrather

Das Porträt des Historikers und Heimatforschers Gottfried Kricker prägt die neue Gedenkmünze des Kreises Viersen. Der 1000. Geburtstag der Gemeinde bot den Anlass, den Ehrenbürger erneut zu würdigen.

Stolz auf das Anrather Andenken in Silber: (v.l.) Sparkassen-Vorstand Ludger Gooßens, Landrat Peter Ottmann, Karla Meiendresch, Anrather Bürgerverein, Kreisarchivar Dr. Gerhard Rehm, Sibille Jäger, Anrather Bürgerverein. Foto: Busch

Vom polierten Silber der Medaille hebt sich das markante Gesicht Gottfried Krickers ab. Die Haare streng zurück gekämmt, blickt er den Betrachter unter buschigen Brauen und durch die Gläser seiner Brille aufmerksam an. Er scheint ihn zu studieren, so wie er jahrelang seine Heimat Anrath von allen Seiten betrachtet und ihre Vergangenenheit erforscht hat.

Für sein 500 Seiten schweres Werk über die Geschichte der Gemeinde Anrath bekam er 1960 bereits die Ehrenbürgerschaft. Zum 1000-jährigen Bestehen seines Geburtsortes widmet ihm der Kreis Viersen nun eine Gedenkmedaille. Sie soll seine Verdienste in Gold beziehungsweise in Silber aufwiegen.

Alle Lebensbereiche erfasst

Anerkennung hat sich Kricker vor allem mit der Aufarbeitung der Anrather Historie erworben. "Es war sein Ziel, alle Bereiche des Lebens zu erfassen. Diesen Anspruch hat er in seinem Hauptwerk eingelöst", sagte Gerhard Rehm in seiner Laudatio. Der Kreisarchivar wies zwar darauf hin, dass das Werk sprachlich sperrig sei und sich keineswegs als gemütliche Lektüre für die Badewanne eigne, lobte aber gleichzeitig seine Zuverlässigkeit. "Gottfried Kricker ist in die Archive gegangen und hat mit den Quellen gearbeitet und deren Vollständigkeit ist überwältigend."

Kricker hat sich nicht nur um die geschichtlichen Fakten gekümmert, er hat sich auch mit den häufigsten Namen in der frühen Neuzeit beschäftigt, das Verhältnis von Adel und Bauern untersucht und die Frage nach den Gemeindefinanzen gestellt. "Das ist bis heute hochaktuell", so Rehm. Als gelernter Bibliothekar hat Kricker lange Zeit vor allem gesammelt.

"In seinem Nachlass finden sich zahlreiche Zettel, auf denen er Fakten fein säuberlich in Sütterlinschrift festgehalten hat", berichtet Sibille Jäger vom Bürgerverein Anrath. Sie hat den emsigen Historiker noch persönlich gekannt. "Nach dem Tod seiner Frau hat meine Schwester eine Zeit lang bei ihm im Haushalt gearbeitet." Sie selbst erinnert sich vor allem an die verbindliche Art von Gottfried Kricker. "Er kannte in Anrath wirklich jeden und hatte mit fast allen Kontakt. Nach dem Krieg hat er Verbindungen zu den schlesischen Flüchtlingen aufgebaut und für Verständigung gesorgt. Wir sprachen hier ja alle Platt, und das verstanden die nicht."

Nach der Lektüre seines Werkes hat Gerhard Rehm allerdings Schwierigkeiten, sich Gottfried Kicker als volksnahen Forscher vorzustellen. "Für mich ist er nicht der Hobbyhistoriker, der zum Schützenfest geht." Der Archivar sieht mehr die intellektuelle Seite des Gesichts auf der Gedenkmedaille. Für ihn ist Gottfried Kricker der Gelehrte, der sein Geld auch nach seinem Tod noch in die Bildung späterer Generationen investiert. Seine Stiftung fördert begabte Schüler und Studenten aus Anrath, damit sie ihr Talent nicht versilbern.