Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Chronik

Berichte über Aktuelles in Anrath und Aktivitäten des Bürgervereins

15.10.2010

Während des Jubiläumsjahres hat der Bürgerverein zahlreiche Ortsführungen durch Anrath zu verschiedenen Themen angeboten. Die letzte Führung unter dem Motto "Anrath - von Flecken zum Stadtteil" fand am 15.10.2010 durch Friedel Kluth statt. Nachstehend schreibt er hierzu eine kleine Rückschau.




Vom Flecken zum Stadtteil

Führungen durch den historischen Ortskern.

Von Friedel Kluth

In Gruppenstärken bis zu 28 Personen versammelten sich interessierte Mitbürger vor dem Hauptportal der Kirche St. Johannes Baptist, wenn der Bürgerverein mal wieder zu einer von mehr als einem halben Dutzend im Jubiläumsjahr vorgesehenen Gästeführungen durch den historischen Marktflecken Anrath eingeladen hatte. Abwechselnd wurden diese Rundgänge von Karla Meiendresch, Annemarie Rüther und mir durchgeführt. Wir sind überrascht von der großen Resonanz, aber natürlich auch erfreut über das Interesse.

Die Schwerpunkte werden vielleicht jeweils etwas differieren, daher schildere ich im Folgenden einen von mir durchgeführten Rundgang.

Nach einer kurzen Begrüßung erzähle ich etwas über die Geschichte der am Ende des 19. Jh. errichteten Kirche und der Vorgängerbauten. Die kleine Holzkapelle, die an gleicher Stelle bereits 1010 gestanden hat, als hier durch den Kölner Erzbischof Heribert die Eigenständigkeit der Pfarre postuliert wurde, war im 12. Jh. durch eine romanische Landkirche ersetzt worden. Auch über die Verleihung der Marktrechte durch Kaiser Sigismund im Jahr 1414, die Zuweisung eines Siegels durch Kurfürst Salentin im Jahr 1574 und über die diversen Kriege, die die Zeitläufe geprägt haben, erfahren meine Gäste einiges Wissenswerte, bevor wir zu unserem Rundgang aufbrechen.


Skizze des Fleckens Anrath von Gottfried Kricker

Zum besseren Verständnis verteile ich zuvor einige Exemplare der Krickerschen Zeichnung, die den Flecken Anrath und seine Befestigungsanlage um das Jahr 1600 zeigt. Innerhalb dieser ehemaligen Befestigungsanlage, bestehend aus vier Toren und einem vorgelagerten Graben, wird sich unser Rundgang bewegen.

Die Stelle der vermutlich ältesten Besiedlung, an der Südostseite der Kirche, ist unsere erste Station. Das Gasthaus "Zur blauen Hand", (später Knabben) Geburtshaus von Harmen Doomer, dem Rahmenschnitzer Rembrandts und das "Vaaterb" (später Schelges), bieten ebenso Anlass für etliche Erläuterungen wie die "Dimbkespoort", eines der vier ehemaligen Dorftore. Wir folgen der so genannten "Waak", wie die Befestigungsanlage genannt wurde, in Nordostrichtung. Die Bezeichnung "Waak" ist nach Einebnung der Befestigung auf die Heckengassen übergegangen.

Von der "Schottelpoort" im Norden ist die Gasse zur "Hüskespoort" an der heutigen Jakob-Krebs-Straße nicht mehr durchgängig begehbar. Also gehen wir zurück in Richtung Kirche, was uns die Gelegenheit gibt, etwas über die ehemalige Zollstation, über den Sitz der damaligen Gerichtsbarkeit, über das so genannte "Jüddehuus" und über das neu errichtete Denkmal zu Ehren des hl. Heribert zu erfahren.

Die Jakob-Krebs-Straße, in früheren Zeiten "Hüskesstroat", birgt ebenfalls zahlreiche historische Erinnerungen. Die "Alte Schmiede" und der bis 1958 als Flüchtlingslager genutzte Saal der Gaststätte Wickum sind nur zwei Beispiele für die Geschichtsträchtigkeit dieser Straße.

Von der "Hüskespoort" folgt unser Weg wieder in etwa dem Verlauf von Wall und Graben, diesmal etwa in westliche Richtung. Die ehemalige Vikarie mit ihrer Funktion als "Weinhof" am Standort der heutigen Alleeschule ist eine der interessanten Stationen auf unserem Weg zur "Bengdtpoort" an der heutigen Viersener Straße.

Auch die letzte Etappe, zurück in Richtung Kirche, hat viele interessante Stationen zu bieten. Erläuterungen über die jüdische Gemeinde und ihre Synagoge, über die Geschichte der Kaffeerösterei Lücker, über das alte Pastorat, über die Pumpengemeinschaften an dieser Straße und über zahlreiche historische Häuser machen auch diesen letzten Abschnitt recht kurzweilig.

Den Abschluss bildet der historische Marktplatz, heute leider in Kirchplatz umbenannt, mit dem Rathaus "Peäperdues", dem "Schreiberhaus", der über 100 Jahre alten "Adlerapotheke" und dem "Leutnantshaus".

Nach gut anderthalb Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt, und meine Gäste sind sich einig, dass Anrath, seit 1970 Teil der Stadt Willich, selbstbewusst auf seine über 1000jährige Geschichte zurückblicken darf.