Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Chronik

Berichte über Aktivitäten des Bürgervereins

18.06.2010

Ortsführung "Offene historische Häuser


aus der Westdeutschen Zeitung vom 21.06.2010:

Anrath: Jugendstil unter der Tapete

von Susanne Böhling In Anrath konnten alte Gebäude in Privatbesitz besichtigt werden. Dazu gab es Infos zu deren Geschichte.


Im ehemaligen Anrather Krankenhaus sind heute Sozialwohnungen untergebracht. (Foto: Friedhelm Reimann)
Christa Nuhsbaum vom Bürgerverein Anrath hat etwas Besonderes ermöglicht: Sie hat die Türen historischer Häuser in Anrath für Besucher geöffnet. "Ich habe Häuser ausgesucht, die mich neugierig gemacht haben", sagt sie zu ihrer Auswahlmethode. "Jetzt bin ich nur noch gespannt, ob alle Verabredungen klappen." Erste Station ist das alte Krankenhaus an der Neersener Straße. Das beherbergt heute Sozialwohnungen, und der Flur mit den floralen Jugendstil-Elementen vermittelt einen Eindruck der Zeit, in der viele der 22 Führungs-Teilnehmer dort geboren wurden. Mancher erinnert sich noch an "Schwester Krüsselke" am Rähmchen, "hier!" wo jetzt Wand ist.

Der Remmertzhof am Knabbenweg wurde im Jahr 1688 gebaut

Anschließend geht es am Theodor-Heuss-Park vorbei zum Großbeudelshof. Eigentümer Theo Ohligs bittet zu einem Glas Sekt auf die Terrasse und zeigt, wie die Räume sorgfältig - unter Beibehaltung der Maße von Decken und Fenstern - restauriert wurden. Jetzt sind es die großzügigen Zimmer seiner Kinder. "Das ist der älteste Balken im Haus", sagt er und zeigt auf einen mit der Inschrift 1760.

Da kann der Remmertzhof am Knabbenweg locker mithalten. Er wurde 1688 erbaut, das verrät die Inschrift auf dem Balken.

Hans-Joachim Remmertz erzählt vom Wandel, den das Haus durchgemacht hat. In der heutigen Garage war ein Stall für Ziegen, Gänse und Hühner.

"Ich war der erste, der in diesem Haus mit Kanalwasser gebadet wurde", sagt der 75-Jährige, denn bis kurz vor seiner Geburt holte man das Wasser noch aus der Pumpe. Aus den vielen Zimmern im Erdgeschoss hat sein Sohn einen einzigen großen Raum gemacht.

Die Reise in die Vergangenheit bot dreieinhalb Stunden Kurzweil

Mit einer besonderen Überraschung wartet das Jugendstilhaus an der Viersener Straße 50 auf. Es gehört Nader Abu Safieh, dem Besitzer des angrenzenden Schnellimbisses.

Info

Anlässlich der 1000-Jahr-Feier des ältesten Willicher Ortsteils veranstaltet der Bürgerverein unterschiedliche Führungen, etwa über Friedhöfe oder zu Straßen, die nach Anrather Persönlichkeiten benannt sind.

Christa Nuhsbaum führte durchs alte Krankenhaus, den Großbeudelshof, den Remmertzhof, das Jugendstilhaus an der Viersener Straße, das Fachwerkhaus von Frau Salm-Mauer, das Haus der Familie Schütte, das Jugendstilhaus der Familie Schumacher und den Brockmannshof.

Über einen ungepflasterten Hof geht es durch den Hintereingang ins Innere: Auf dem historischen Treppengeländer dicker weißer Lack, ein uralter Sicherungskasten. Um so erstaunter die Ahs und Ohs beim Betreten des Eingangsraums: Bis zur Höhe von 1,20 Meter schützt Marmor die Wand, darüber sind die Wände mit Jugendstilgemälden bemalt.

Blumenranken und sanfte Hügel wie in der Toskana mit ihren typischen Gebäuden. Die Tochter eines Vorbesitzers konnte sich daran erinnern. Safieh fand all das unter den Tapeten, monatelange Restaurierungsarbeiten folgten.

Die geführte Reise in die Vergangenheit bot dreieinhalb Stunden Kurzweil.





aus der Rheinischen Post vom 22.06.2010:

Die Anrather Zeitreise

von Natascha Becker Beim Rundgang mit dem Bürgerverein zu alten Häusern gab es so manche Überraschung. Da kamen bei den 26 Teilnehmern viele Erinnerungen hoch. Anekdoten wie vom Wemke oder vom Vorderlader sorgten für Heiterkeit.


Das ehemalige Krankenhaus mit seinem Jugendstiltreppenhaus war eine der Stationen bei der Zeitreise durch Anrath. Foto: Stefan Finger

Neugierig schieben sich die 26 Besucher hinter Nicola Schröder, Mitarbeiterin der Stadt Willich, durch die Tür des ehemaligen Krankenhauses in Anrath. Die Blicke huschen über das gewaltige Jugendstiltreppenhaus. "Hier war einst die Pforte, wo Schwester Irmunda immer saß", erinnert Christa Nußbaum, Vorstandsmitglied vom Bürgerverein Anrath. "Das war Krüseke", kommt es aus der Besuchermenge. Der Spitzname der bekannten Schwester löst Lachen bei den älteren Besuchern aus. Sie wissen noch, wie es einst im Anrather Krankenhaus war.

Heimat der Kapläne

Die Mandeloperation, der Blindarm, schon die erste Station der Führung "Historische Häuser", die vom Bürgerverein im Rahmen der 1000 Jahr Feier von Anrath angeboten wird, löst eine Flut von Erinnerungen aus. Schröder stellt die Geschichte des Hauses vor, das heute 20 städtische Wohnungen beherbergt, danach übernimmt Nußbaum die Gruppe wieder. Es geht weiter, vorbei am alten Friedhof, den heute eigentlich jeder nur als Theodor-Heuss-Park kennt.

"Hier stand einst das Wemke", sagt Nußbaum und deutet nach links. Die jüngeren Besucher können mit dem Begriff nichts anfangen. Die Älteren dagegen erinnern sich an die Vikarie, in der die Kapläne gewohnt haben. Warum es allerdings "Wemke" hieß, dass kann keiner mehr erklären.

Durch den Hochzeitswald der Stadt Willich steuert die Gruppe den Großbeudelshof an. Dort wartet die erste Überraschung. Der Bürgerverein lädt zu Sekt und Orangensaft ein. So gestärkt schließt man sich Hofbesitzer Theo Ohligs zum Rundgang durch das Wohnhaus an. Wunderschön verzierte Stuckdecken in den 3,30 Meter hohen Räumen - "Kein Styropor, sondern echter Stuck", sagt Ohligs mit einem Schmunzeln - alte Holzfußböden aus dem Jahr 1906 im neueren Wohnhaus, mit kleinen Drückern versehene uralte Türklinken und ein Balken anno 1760, der im Wohnzimmer das wahre Alter des Hofes verrät. Alle 26 Besucher zeigen sich gebührend beeindruckt. "Gerade die vielen kleinen Details sind einfach klasse", meint Nik, der mit seinen 13 Jahren der jüngste Gast ist.

Gut zu Fuß

Der Remmertzhof am Knabbenweg steht als nächstes auf dem Programm. Gemütlich plaudernd geht es durch die Anrather Gässchen und Straßen. Gut zu Fuß muss man sein, denn es gilt ein Stück zu gehen. Dafür gibt es vor dem alten Fachwerkhaus die nächste Stärkung, diesmal Kaffee und Kuchen. Hans Josef Remmertz lässt die Geschichte des Hauses ein stückweit wieder aufleben.

Anekdötchen wie die vom Vorderlader, der beim Umbau gefunden wurde, lassen die Besucher schmunzeln. Die Jugendstilvilla an der Viersener Straße, das restaurierte Fachwerkhaus an der Heribertstraße, das frühere Küppers-Haus an der Alle, das Jugendstilhaus an der Jakob-Krebs-Straße und der Brockmannshof zum Abschluss samt der dritten Überraschung in Form eines Abschlussimbisses - eins ist klar am Ende der rund dreieinhalb Kilometer langen und fast vierstündigen Tour: Es war wunderschön.