Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Chronik

Berichte über Aktivitäten des Bürgervereins

16.06.2010

Ortsführung Anrath im Quadrat

Bei strahlendem Sonnenschein machte sich eine bunt gemischte Gruppe von 14 Teilnehmern unter der Führung von Friedel Kluth um 16.00 Uhr mit dem Rad auf den Wanderweg rund um Anrath. Zunächst erklärte Friedel Kluth, dass der Begriff "Anrath im Quadrat" von dem markierten Wanderweg stammt, der mit einer Länge von etwas mehr als 20 Kilometern rund um Anrath führt und als Kennzeichnung ein weißes Quadrat hat.

Nach einer kurzen Erläuterung über die Herkunft der Bezeichnung "Donk" ging es über den Donkweg zum Neubeudelshof des Bauern Ohligs. Dieser hatte seinen ursprünglichen Hof am Rande des Ortskerns aus Platzmangel aufgegeben und mit seiner Familie in der Donk einen sehenswerten neuen Hof aufgebaut.

Von Bauer Ohligs stammte auch der Hinweis auf den Fund von Fundamentresten des sogenannten "Polverschöppkes", den Recherchen nach ein kleines Munitionsdepot aus dem Krieg 1871/72, das am Rande seiner Schafweide gestanden haben soll.

Vorbei ging es an der Imkerei van den Bongard, die seit 1998 an dem jetzigen Standort in der Donk neben der Gewinnung von Honig, der Erzeugung von Honigprodukten und der Zucht und Besamung von Bienenköniginnen auch eine anerkannte Aus- und Fortbildung für gewerbliche Bienenzüchter und Hobbyimker durchführt.

Am idyllisch gelegenen Hausbroicher See, der heute dem St. Töniser Angelverein als Vereinsgewässer dient, wusste Friedel Kluth seine Tourteilnehmer mit Informationen über die Geschichte des Rittergutes Haus Broich und das Landwirtschaftsgutes Koof zu fesseln.

Nach Überquerung der viel befahrenen Zubringerstraße zur Autobahnauffahrt Willich-Münchheide gelangten wir in das Gebiet der Holterhöfe. Der Holterhof als Namensgeber dieser Sektion und heute noch von der Familie Holter bewirtschaftet und der Sterkenhof, dessen ältester Bauteil aus dem 18. Jahrhundert stammt, sind schöne Beispiele niederrheinischer Hofanlagen.

Mit besonderem Vergnügen erläuterte Friedel Kluth die Bedeutung des "Freuden-berg" am Rand des "Rennesböschke", über den der Heimatdichter Willy Smits einen Liedtext geschrieben hat. Da die ursprüngliche Melodie nicht mehr aufzutreiben war, hat Christoph Carlhoff eine neue komponiert und die Leddschesweäver des Bürger-verein haben dieses Lied mit Begeisterung in ihr Repertoire aufgenommen.

Am Rande des Kehn vorbei gab es dann noch eine Fülle von informativen aber auch skurrilen Erklärungen zum Heilpädagogischen Zentrum, zu Siep Schmett, der als Wunderheiler Anlass zu mancherlei Legenden und Anekdoten gegeben hat, zum Gelleshof, der nur über eine Zugbrücke zu erreichen und in seiner Anlage ein klassisches Beispiel für die Rittergüter der Region ist.

Vorbei am Bröggerhof, durch den Mühlenbruch führte der Weg über die Brückenstraße zur Quirinuskapelle, die auf dem Grundstück des Landwirts Schmitter steht. Die Geschichte über die Entstehung dieser Kapelle, die der Überlieferung nach infol-ge eines Nachbarstreites um eine Eiche entstanden ist, musste allerdings zunächst noch warten, da Braumeister Willi Schmitz uns mit einem zünftigen Picknick und na-türlich einem Fässchen Kellerbier erwartete. Nach 2 Stunden Radtour und aufmerksamen Zuhörens wurde diese Unterbrechung mit großem Hallo begrüßt. Angeregte Gespräche, die gute Verköstigung und die letzten Strahlen der Abendsonne luden zum Verweilen ein, aber Friedel Kluth hatte noch einige Punkte auf seinem Programm stehen.

Nach dem Haxhof, einst Pachtgut des Quirinus-Stifts in Neuß, der Cörather Hauptschule, in der bis 1974 Mädchen und Jungen in drei Klassen gemeinsam in den Jahrgangsstufen 1 bis 4, 5 und 6 sowie 7 und 8 unterrichtet wurden, gelangten wir zum Haus Stockum, einem burgähnlichen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Die Fundamente des Gebäudes ruhen auf zahlreichen Holzpfählen, die in den sumpfigen Boden getrieben wurden.

Ein besonderes Kleinod ist die Heiligkreuz-Missions-Kapelle, die 1869 in Eigenleis-tung von den Bewohnern der Honschaften Vennheide-Clörath, Hagwinkel und Giesgesheide erbaut wurde. Da die Kapelle geschlossen war, konnten wir leider nur von außen einen Blick auf die von dem Anrather Kunstprofessor Wilhelm Teuwen gemalten Kirchenfenster erhaschen. Ein erfreulicher Anblick war die schwere Eicheneingangstür, die im letzten Jahr unter anderem mit Mitteln aus dem Verkauf der Jubiläumsuhr restauriert werden konnte.

Sehr anschaulich berichtete Friedel Kluth über das Sommerlokal "Malbauer", das zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als eine Hauptsehenswürdigkeit der Gegend galt. Über hundert Jahre hatten Peter Heinrich Grefertz und sein Sohn Johann Peter sich damit beschäftigt, die weitläufigen Räumlichkeiten der Gaststätte kunstvoll auszumalen. Durch ein Feuer 1974 wurde diese einmalige Anlage so schwer beschädigt, dass die ehemaligen Besitzer den Abriss beschlossen. Mit Unterstützung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege konnten etliche Kunstwerke erhalten und restauriert werden. Sie befinden sich heute überwiegend in öffentlichen Gebäuden der Stadt.

Ein besonderes schönes Exemplar eines Sachsenhauses, einer für den Niederrhein typischen Bauweise von Bauernhäusern, ist der Floethof. Weit und breit gilt der Floethof als eines der besterhaltenen Bauernhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Das Haus war ursprünglich mit Weidengeflecht und Lehm ausgefacht, das erst später durch Ziegel ersetzt wurde. In den Balken über dem Hauseingang ist der Vers 6 aus dem Lukasevangelium geschnitzt: "Seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater ist. Gebt, so wird man euch ein überflüssiges Maß in euren Schoß legen." Und gleich darunter ist der Römerbrief 12 zitiert: "Herbergt die Leut gern. Durch Gottes Hilfe und Gewalt, den 26. März ist dies Haus hergestellt, da man 1636 zählte."

Auch wenn die geplante Führungsdauer bereits um einiges überschritten war, konnte Friedel Kluth sich einer aufmerksam zuhörenden Teilnehmerschar sicher sein. Die humorvoll vorgetragenen Erläuterungen brachten ihm einen herzlichen Applaus ein. Einig war man sich insgesamt, dass an diesem Nachmittag viele versteckte Winkel entdeckt und Anregungen zu eigenen Erkundungen gegeben wurden.

Herzlichen Dank an Friedel Kluth!

Roswitha Brück