Chronik

Berichte über Aktivitäten des Bürgervereins

16.1.2010: Umbenennung zur Regina-Brunner-Strasse

Anläßlich der Umbenennung der Straße "Zum Beudelshof" zur "Regina-Brunner-Strasse" vor einigen Wochen informierte der Archivar der Stadt Willich Udo Holzenthal auf Einladung des Bürgervereins Anwohner und Presse bei einem Glas Sekt über das Leben der stillen Heldin Regina Brunner. Ihr Sohn Albert Brunner, Tönisvorst berichtete über den Werdegang seiner am 28.12.1999 verstorbenen Mutter.
(siehe hierzu auch Geschichte>>erlebte Geschichte>>Albert Brunner: Erlebnisse während und nach dem Krieg)

Regina Brunner: Eine stille Heldin

von Udo Holzenthal

Regina Brunner und ihr Mann Hermann lebten während des Zweiten Weltkriegs auf dem Darderhof im Norden Anraths. Am 1. März 1945 erhielt der Hof eine Einquartierung in Form einer Geschützbatterie mit zwei großkalibrigen Geschützen und 100 Soldaten.

Diese Batterie hatte den Auftrag, das weitere Vorrücken der Amerikaner durch den Beschuss des Anrather Ortskern zu verhindern beziehungsweise zu verlangsamen.

Als Regina Brunner vom geplanten Beschuss Anraths erfuhr, suchte sie den Kommandanten der Batterie auf. Sie redete über Stunden auf ihn ein und beschwor ihn, seinen Befehl nicht auszuführen und so unnötige Opfer zu vermeiden. Schließlich willigte der Kommandant ein und versprach, zum Schein nur zwei Schüsse abzufeuern und dann die Batterie abzuziehen.

So kam es dann auch: Am Morgen des 2.März feuerte die Batterie zwei Schüsse ab. Einer traf die evangelische Kirche, der andere die Strafanstalt. Dabei kam kein Mensch zu Schaden. Anschließend zog sich die Batterie zurück.

So bewahrte Regina Brunner mit ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit nicht nur den Anrather Ortskern vor großen Schäden, sondern rettete auch unzählige Menschenleben, die ein Artilleriebeschuss gefordert hätte.




Regina Brunners Werdegang

(* 23.11.1904 in Niederaußem, † 28.12.1999 in Anrath)

von Albert Brunner

Auf dem Kleinmönchhof bei Niederaußem am 13. November 1904 geboren. Kindheit auf dem Kleinmönchhof und Besuch der Grundschule. Anschließend sechs Jahre bei den Schwestern auf der Rheininsel "Nonnenwerth" (Klosterschule) bei Boppard. Einjähriger Besuch der Handelsschule in Düsseldorf. Nach der Erkenntnis, dass Zahlen ihr nicht so liegen, hat sie eine Schwesternschule besucht und war anschließend in einem Krankenhaus in Frankfurt/M als Krankenschwester tätig. Zwischenzeitlich besuchte sie auch für eine kurze Zeit die Kunstakademie in Düsseldorf. Mutter hat bereits in jungen Jahren (14 Jahre) wunderschöne Bilder gemalt. Einige davon sind bei mir und einige bei meiner Schwester in Kanada. Sie war vielseitig talentiert und auch das Musische lag ihr. Sie spielte Klavier und sie ging auch mit uns Kindern manchmal in "Brockmanns Kull" schwimmen.

Sie war nicht sonderlich groß, aber von einer eisernen Disziplin und sehr gläubig.

Nach einiger Zeit veränderte sie sich und war bei der Stadt Hamburg beim Sozialamt tätig. Sie besuchte sozial schwache Familien und begleitete Jugendtransporte zur Erholung nach Ostpreußen. Diese Tätigkeit bekleidete sie bis zu ihrer Heirat am 28.11.1933. Sie heiratete Ihren Mann Hermann Brunner, pachteten zuerst den Darderhof und dieser wurde später käuflich erworben. Dort lebte Sie bis zu Ihrem Tod am 28.12.1999.

Zu jener Zeit war sie schon eine sehr moderne und aufgeschlossene Frau. In den zwanziger Jahren war sie Mitglied in einer Frauenbewegung. In dieser Zeit war es für eine Frau nicht üblich, einen Beruf zu erlernen und sich auf eigenen Füßen zu stellen. Sie war sehr sozial eingestellt. In den letzten Kriegsjahren hat sie im Kehn für uns Kinder und die Kinder der Nachbarschaft kleine St. Martinszüge organisiert. Sie ist oft noch im hohen Alter zu meiner Schwester Hildegard nach Kanada geflogen. Sie hatte Talent zu malen, spielte Klavier und hat in den letzten Jahren viel gelesen.







Fotos von Reiner Brück


aus der Rheinischen Post vom 18.1.2010:

"Stille Heldin" gibt einer Straße neuen Namen


Auch Regina Brunners Sohn Albert (3.v.l.) war zur Vorstellung des neuen Straßennamens gekommen. RP-Foto: wka

Stadt Willich (RP) Festliche Straßenumbenennung in Anrath: aus "Zum Beudelshof" wurde dank Bürgerverein Anrath und der Stadt Willich die "Regina Brunner-Straße" gemacht. "Da es vorher zwei Straßen mit ähnlichem Namen gab, war die Umbenennung für uns zwingend geworden", sagt der Willicher Stadtarchivar Udo Holzenthal. Die Bürger hatten nichts gegen den Namensvorschlag einzuwenden, und so beschloss der städtische Haupt- und Finanzausschuss im vergangenen Jahr die Umbenennung offiziell.

Mit Amerikanern verhandelt

Holzenthal würdigte die Namensgeberin Regina Brunner als "stille Heldin" und erzählte den anwesenden Straßenbewohnern, wer diese Frau war. Während des zweiten Weltkriegs lebten Regina Brunner und ihr Mann Hermann auf dem Darderhof im Norden Anraths. Am 1. März 1945 wurden im Hof 100 Soldaten und zwei großkalibrige Geschütze einquartiert. Ihr Auftrag war es, das Vorrücken der Amerikaner durch den Beschuss des Ortskerns zu verhindern. Als Regina davon erfuhr, suchte sie den Kommandanten auf und beschwor ihn, den Befehl nicht auszuführen und damit unnötige Opfer zu vermeiden. Schließlich willigte der Kommandant ein und versprach, nur zwei Schüsse abzufeuern und dann die Batterie abzuziehen. So kam es auch: am Morgen des 2. März feuerte die Batterie zwei Schüsse ab. Der eine traf die evangelische Kirche, der andere die Strafanstalt. Niemand wurde verletzt, und die Soldaten zogen sich zurück. "Mit Mut und Entschlossenheit bewahrte Regina Brunner den Anrather Ortskern vor großen Schäden und rettete unzählige Menschenleben, die ein Artilleriebeschuss gefordert hätte", sagte Holzenthal.

Besonders stolz war Regina Brunners Sohn Albert (70) über diese Ehre. Seit 1985 schrieb er die Erlebnisse seiner Mutter auf, befragte sie und leitete die Ergebnisse an den Historiker Dr. Hans Kaiser weiter, der Textpassagen ins Kreisheimatbuch mit einfließen ließ. Auch Enkel Stefan Brunner (40) freute sich über die Anerkennung der Taten seiner Oma: "Das ist für mich was ganz besonderes", sagte er. Die Umbenennung weckte bei den 24 Familien, die auf der Regina Brunner-Straße wohnen, Neugier: "Jetzt wollte ich wissen, wer Regina Brunner war", sagt Ingrid Gorgen.

Eine neue Anschrift bringt aber auch viel Papierkram mit sich: "Lästig" findet das eine andere Bewohnerin.

von Tobias Neumann