Chronik

Berichte über Aktivitäten des Bürgervereins

1.1.2010: Neujahrsempfang des Bürgervereins

Zum Beginn des Jubiläumsjahrs hatte der Bürgerverein alle Anrather zu einem Empfang bei Schmitz-Mönk eingeladen. Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Bürgervereins Anrath gab es verschiedene musikalische Darbietungen durch den Konradchor Grenzweg, die Leddschesweäver, ein Bläserquartett der Kreismusikschule sowie Dr. Karl Kreifelts mit seiner Tochter Viola Kreifelts an Violine und Viola; der Bürgermeister Josef Heyes richtete Grußworte an die zahlreich erschienen Anrather, und Hans Grundmanns trug Gedichte vor. Friedrich Kluth, Mitglied des Vorstands des Bürgervereins, faßte einige Stationen sowohl der Geschichte Anraths als auch der Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr zusammen, und schließlich stellte Hausherr Willi Schmitz stellt erstmals sein "Jahrtausend-Bier" vor, das eigens zum Jubiläum gebraut wird.



Nachfolgend ist die Rede von Friedrich Kluth wiedergeben:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren, liebe Gäste,

die Anfänge der Besiedelung unserer Gegend liegen im Dunkeln. Historiker sind sich aber sicher, dass bereits im 8. oder gar im 7. Jahrhundert hier Menschen gesiedelt und das Land urbar gemacht haben. Konkrete Belege hierfür gibt es jedoch nicht. Belegt ist allerdings, dass die Entstehung und Entwicklung der pfarrkirchlichen Organisation im Willicher Raum aufs Engste verbunden ist mit der Geschichte Kempens und seiner Pfarre.

Zum Kirchspiel Kempen gehörten in dieser Frühzeit der Besiedelung auch die Menschen, die hier, im heutigen Gebiet der Stadt Willich lebten. Nun kann man sich vorstellen, dass der sonntägliche Besuch einer heiligen Messe in dem Kempener Ortsteil St. Peter in der damaligen Zeit ein sehr aufwändiges Unterfangen war, denn so etwas wie einen öffentlichen Personennahverkehr gab es noch nicht!

Dem Kölner Erzbischof Heribert, zu der Zeit nicht nur als kirchliches, sondern auch als weltliches Oberhaupt für unsere Region zuständig, hat dieser Zustand offenbar auch nicht gefallen.

Als die erste vom Kirchspiel Kempen abgespaltene Pfarrei nennt der Kempener Geschichtsschreiber Wilmius die Pfarre Anrath, die dieser Erzbischof Heribert um das Jahr 1010 gegründet und später der von ihm errichteten Benediktinerabtei Deutz überwiesen hat. Wilmius beruft sich für diese Angaben auf Urkunden, die er selbst gesehen und gelesen habe, als er im 17. Jahrhundert in erzbischöflichem Auftrag Anrath und andere Kirchen der Umgebung visitierte.

Sinngemäß heißt es in den Ausführungen Wilmius', dass die Anrather Kirche zunächst einige Jahrhunderte lang in der Abhängigkeit von der St. Peter - Kapelle vor Kempen gestanden habe und dass sie um das Jahr 1010 durch Erzbischof Heribert von Köln von dieser Mutterkirche getrennt und zur selbständigen Pfarre erhoben worden sei.

Dies ist, kurz zusammengefasst, der historische Hintergrund dafür, dass wir in diesem Jahr das 1000jährige Bestehen unseres Heimatortes feiern dürfen. Das dieses Jubiläum zusammenfällt mit dem 100jährigen Bestehen der evangelischen Kirche in Anrath, ist zwar Zufall, gibt dem Festjahr aber einen zusätzlichen Höhepunkt.

Wie im Protokoll der Vorstandssitzung vom 5. Mai 2003 nachzulesen ist, hat sich der Bürgerverein schon recht früh Gedanken darüber gemacht, wie man dieses epochale Ereignis gebührend begehen kann.

Gemeinsam mit dem Stadtarchivar Udo Holzenthal wurden erste Überlegungen angestellt. Einigkeit bestand von Anfang an darüber, dass ein würdiges Festjahr nur unter Einbeziehung der Bevölkerung und der Vereine zustande zu bringen sei. So war logischerweise einer der ersten Schritte ein entsprechendes Anschreiben an die Anrather Vereine, das im Januar 2004 erfolgte. Im Juni 2004 überträgt der Kulturausschuss dem Bürgerverein die Federführung für die Vorbereitung des Jubiläumsjahres. War die Resonanz am Anfang noch etwas zurückhaltend, so nahmen die Vorbereitungen Fahrt auf, je weiter sich die Vorstellungen konkretisierten. Beim ersten Treffen der Vereine, das auf Einladung des Bürgervereins im Mai 2005 stattfand, wurde bereits eine umfangreiche Ideenliste erarbeitet, die in der Folgezeit kontinuierlich fortgeschrieben und aktualisiert wurde. Im Anschluss daran formieren sich erste Arbeitsgruppen.

Die Idee, die alte Anrather Gemeindefahne neu aufzulegen, wird in die Tat umgesetzt. Der Verkaufsstart ist beim Weihnachtsmarkt 2006.

Seit April 2007 ist das 1000jährige ein fester Punkt auf der Tagesordnung bei den Vorstandssitzungen des Bürgervereins. Ebenfalls im April 2007 startet eine vom Bürgerverein initiierte Vortragsreihe über die Geschichte Anraths mit Ausführungen des Berliner Historikers Dr. Wolfgang Schultz über die kulturellen Beziehungen zwischen dem Niederrhein und Holland zur Zeit Rembrandts.

In der Folgezeit hatten wir als Referenten zu zahlreichen Themen, die alle irgendwie die Geschichte Anraths tangieren,
- den Archivar der Stadt Krefeld, Herrn Paul Schulte,
- den Kempener Historiker, Herrn Dr. Hans Kaiser,
- den Archivar des Kreises Viersen, Herrn Dr. Gerhard Rehm
- und natürlich - und das bereits zweimal - den Archivar der Stadt Willich, Herrn Udo Hozenthal,
zu Gast. Im Jubiläumsjahr wird die Serie fortgesetzt mit zwei Vorträgen:
- am 15. März wird Herr Professor Dr. Engelbrecht von der Uni Duisburg über die "Franzosenzeit am Niederrhein" referieren,
- und Frau Kollosche-Baumann vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege am 4. Oktober über "Baudenkmäler in Anrath".
Auch diese beiden Veranstaltungen werden wieder im Forum des Lise - Meitner - Gymnasiums stattfinden.

Im September 2007 hatte der Kulturausschuss den Einstieg der Stadt in die Vorbereitungsarbeiten und die Festlegung der personellen und finanziellen Ressourcen beschlossen. Die Umsetzung dieses Beschlusses wird sehr engagiert von Manfred Jacobs, dem persönlichen Referenten des Bürgermeisters, begleitet. Konkret wird dieser Beschluss unter anderem durch die Einsetzung von Dagmar Zenses, die dem Vorstand im April 2008 durch Herrn Heyes als Koordinatorin der Jubiläumsveranstaltungen vorgestellt wird, und die in der Folgezeit an fast jeder Vorstandssitzung teilgenommen hat.

Die Festlegung und Vorbereitung der zahlreichen Vorhaben wird nun konkret.
- Ein Jubiläumskalender wird erstellt, ständig aktualisiert und über die Internetseite der Stadt publiziert,
- ein Jubiläumslogo wird entworfen und festgelegt,
- es wird vereinbart, dass das Heimatbuch 2010 von Inhalt und Umfang her etwas Besonderes werden soll,
- viele Vorschläge der beteiligten Vereine nehmen konkrete Formen an,
um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Darüber hinaus werden Kontakte geknüpft, um Maßnahmen zu realisieren, die über 2010 an das Jubiläum erinnern sollen, wie z. B.
- die Kennzeichnung der Standorte der vier ehemaligen Dorftore durch Hinweisschilder, Fahrbahnmarkierungen u. dgl.,
- Anbringung einer Gedenktafel am Anrather Rathaus, die bereits beim Weihnachtsmarkt 2009 enthüllt werden konnte, (diese beiden Maßnahmen werden übrigens durch eine großzügige Spende von Helmi und Frieder Nöhles unterstützt) -;
- weiter ist zu nennen die Errichtung einer Natursteinfigur zur Erinnerung an den Erzbischof Heribert von Köln, die am 09. Mai 2010 eingeweiht werden soll, und deren Realisierung durch die Sparkassenstiftung ermöglicht wird,
- und die Herausgabe einer DVD über die 1000jährige Geschichte Anraths. Diese DVD, an der eine acht- bis zehnköpfige Arbeitsgruppe rund anderthalb Jahre gearbeitet hat, hat seit ihrem Verkaufsstart beim letzten Weihnachtsmarkt viele Freunde gefunden.

Heute beginnt das Jahr 2010, wobei zu sagen ist, dass das Jubiläumsjahr eigentlich bereits vor rund einem Monat begonnen hat. Da es auf die Gründung der Pfarre Anrath zurückgeht, ist es ja eigentlich ein kirchliches Jubiläum, und das Kirchenjahr beginnt bekanntlich mit dem ersten Advent.

Da aber der Jubiläumskalender der Stadt mit dem 1. Januar beginnt, dürfen wir den heutigen Empfang des Bürgervereins getrost als Auftaktveranstaltung für ein sicherlich arbeitsreiches, aber auch interessantes und spannendes Jubiläumsjahr bezeichnen!

Allen beteiligten Mitbürgern, Vereinen, Gruppen und Institutionen wünsche ich ein gutes Gelingen ihrer Veranstaltungen und bedanke mich für das großartige Engagement!

Und bei Ihnen, verehrte Gäste, bedanke ich mich, dass Sie mir so geduldig zugehört haben, und ich wünsche uns gemeinsam noch ein paar schöne Stunden!



Aus der Westdeutschen Zeitung vom 3.1.2010:

Ein erstes Prosit auf 1000 Jahre Anrath


Prosit Neujahr: Karla Meiendresch, Willi Schmitz und Josef Heyes
stoßen mit dem Jahrtausendbier an.

Anrath. „Anroeth, Anroeth, bös al duusend Joahr, Anroeth, Anroeth, doo bös wunderbar“: Das Lied „Op et Dusendjörije“ vom Mundartsingkreis „Leddschesweäver“ unter der Leitung von Dr. Christoph Carlhoff war nur einer von 14 Programmpunkten auf dem Neujahrsempfang des Bürgervereins in der Gaststätte Schmitz-Mönk. „Nun ist es endlich da, das Jubiläumsjahr“, freute sich die Bürgervereins-Vorsitzende Karla Meiendresch.

Rund 250 Menschen waren zum Empfang gekommen. Zu Beginn wurde vor allem Sekt gereicht, zwei Stunden später sollte Braumeister Willi Schmitz „et Mönkebier“ anpreisen. „Es ist ein frisches, junges Bier mit Gerste aus der Eifel, ein spritziges Kellerbier mit einer Stammwürze von 13 Prozent und bei einem Alkoholgehalt von 5,3 Prozent ein kräftiger Tropfen“, erklärte Schmitz.

Bürgermeister Josef Heyes fand die richtige Anrede für die zahlreichen Besucher: „Liebe Mitglieder des Bürgervereins, liebe Vertreter des öffentlichen Lebens.“ Der offizielle Festakt der Stadt werde am 29. Mai stattfinden. Der Bürgermeister machte deutlich, dass es bleibende Andenken an das Festjahr geben werde: Die Sparkasse stifte fünf Ortseingangstafeln sowie eine Skulptur des Heiligen Heribert, Stadtwerke und Volksbank sorgen für ein Festbuch.

Als sich Heribert von den Kempenern lossagte

Friedel Kluth vom Bürgerverein Anrath erinnerte an Zeiten, in denen die Anrather nach Kempen zur Kirche gehen mussten. Damit war jedoch vor 1000 Jahren Schluss: Der Kölner Erzbischof Heribert gründete die erste abgespaltene Pfarrei. Kluth erinnerte auch daran, dass in diesem Jahr die evangelische Kirche in Anrath ihr 100-jähriges Bestehen feiere. Und er verschwieg nicht, dass die Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr im Neersener Schloss koordiniert wurden, und zwar von Bürgermeister-Referent Manfred Jacobs und vor allem durch Dagmar Zenses. Worüber er sich ebenfalls freuen konnte: „Die 1000er Auflage der DVD über Anrath, an der wir anderthalb Jahre gearbeitet hatten, ist so gut wie vergriffen.“



Aus der Rheinischen Post vom 4.1.2010:

"Das Jubiläumsjahr ist endlich da"


Das Jubiläumsbier von Willi Schmitz (Mitte) schmeckte Karla Meiendresch,
Josef Heyes und den 250 Gästen im Brauhaus Schmitz-Mönk. Rp-Foto: Kaiser

Stadt Willich (RP) 250 Gäste und Vertreter des kulturellen wie öffentlichen Lebens kamen zum Empfang ins Brauhaus Schmitz-Mönk. Dabei ließ es sich Braumeister Willi Schmitz nicht nehmen, eigens zum Jubiläum nach einem Rezept des Urgroßvaters ein obergäriges Kellerbier auszuschenken. "Gut, erfrischend und bekömmlich", urteilte Bürgermeister Josef Heyes.

Erfrischend, belebend und bekömmlich sollen natürlich auch die vielen Geburtstagsfeierlichkeiten in diesem Jahr sein. Bürgermeister Heyes war zuversichtlich, ein "tolles und lebendiges Jahr mit vielen Begegnungen zu erleben". Garant dafür seien die vielen Aktionen, die am 29. Mai mit dem Festakt und einem historischem Markt einen der vielen Höhepunkte haben dürften. "Nun ist endlich das Jubiläumsjahr da", freute sich bei der Begrüßung der vielen Gäste die Vorsitzende des agilen Bürgervereins, Karla Meiendresch, auf die abwechslungsreiche Palette des Angebotenen.

Bürgermeister Heyes dankte all denjenigen, die zum Gelingen des Jubiläums ihren Beitrag leisten. Darin eingeschlossen: Volksbank Mönchengladbach und Stadtwerke Willich, die in den nächsten Tagen einen umgangreichen Jubiläumskalender herausgeben werden und die Stiftung der Sparkasse Krefeld, die im Mai die Aufstellung einer Skulptur des Kölner Erzbischofs Heribert möglich machen wird. Der Erzbischof hatte im Jahr 1010 den Grundstein für die dann selbstständige Pfarre Anrath gelegt und die Trennung von der Kempener Mutterkirche St. Peter vollzogen.

Friedel Kluth vom Bürgerverein erinnerte beim Empfang in seinem Streifzug an die Anfänge der Besiedlung und an die einstigen vier Ortsteile, die den Flecken Anrath umschlossen hatten. Dass die Geschichte Anraths interessiert, zeigte auch die vom Bürgerverein herausgegebene DVD der bisherigen 1000 Jahre, Friedel Kluth:" Die tausend DVD's sind nahezu ausverkauft."




Fotos von Reiner Brück: