Chronik

Berichte über Aktivitäten des Bürgervereins

10.12.2009: Kornelius Feyen-Monographie der Öffentlickeit präsentiert

Im Vorfeld des Jubiläumsjahres erschien im Dezember die erste Monographie über Leben und Werk des Anrather Volksschullehrers, Malers, Musikers und Dichters Kornelius Feyen (1886-1957).

Die 168 Seiten und 94 Abbildungen umfassende Publikation wurde im Auftrag der Nachfahren des Malers mit Unterstützung des Bürgervereins erarbeitet. Am 10. Dezember wurde das Werk der Öffentlichkeit in der Josefshalle präsentiert.

Nach der Begrüßung durch Karla Meiendresch stellte die Autorin, die Kempenerin Eva-Maria Willemsen, ihr Werk vor und gab eine kurze Einführung in Leben und Werk von Kornelius Feyen. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Julian Gerst vom Verein Anrath1tausend, außerdem war im Foyer der Josefshalle eine kleine Ausstellung mit Werken Feyens zu sehen.




Presseinformation zur Präsentation des Buches

Vorstellung der Monografie
„Komelius Feyen 1886—1957.
Der Anrather Volksschullehrer, Maler, Musiker und Dichter"
am 10. Dezember 2009 in der Josefshalle, Anrath

Rechtzeitig zur unmittelbar bevorstehenden 1000-Jahr-Feier Anraths im Jahr 2010 erscheint eine Monografie über den Lehrer, Maler, Musiker und Dichter Komelius Feyen. Er lebte von 1922 bis 1957 in Anrath und wirkte hier bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1951 als Volksschullehrer. Die von Herrn Hans Klein herausgegebene Publikation widmet dem Lehrer, Musiker und Dichter gesonderte Kapitel, befasst sich aber schwerpunktmäßig mit der malerischen Entwicklung Feyens. Als Autodidakt im Malereifach hat Feyen über lange Jahre hinweg immer wieder die Landschaft rund um Anrath in Aquarellen dargestellt. Auf Grund der Qualität und des Umfanges seines Werkes ist Feyen nicht in die große Schar der gelegentlichen Hobby-Maler einzureihen. Das unkultivierte, wilde Bruch zog ihn besonders an und ein zeitgenössischer Journalist bezeichnete ihn sogar als „den Maler der niederrheinischen Bruchlandschaft". Ebenso waren die Wiesen und Felder der Donklandschaft Ziel seiner Malexkursionen, von denen er regelmäßig eine reiche „Ausbeute" nach Hause brachte. Die in diese Landschaft eingebetteten Bauernhäuser hielt er in einer Reihe von regelrechten „Hofportraits" ebenso fest wie die geschichtsträchtigen, festen Häuser Stockum, Bey und Neersdonk. Seine Sicht auf die Landschaft und seine sich in einem außergewöhnlichen Farbempfinden zeigende große Sensibilität für ihre jeweilige Atmosphäre trugen ihm die verdiente Bezeichnung „Lyriker mit Aquarellblock" ein. Aber Feyen schuf auf vielen Reisen an Mittelrhein, Mosel und Ahr auch zahlreiche Blätter, die eine bisher weitgehend unbekannte Seite des Künstlers enthüllen. Hier zeigt sich nicht der „typische Feyen", der mit gleichsam entfärbter Palette die diesig nebelige und zumeist herbstlich karge niederrheinische Landschaft wiedergibt, sondern ein Maler, der sich von den sommerlichen, intensiven Farbtönen der Natur geradezu mitreißen lässt.

Geboren wurde Komelius Feyen 1886 in Boisheim als viertes Kind des aus Dilkrath stammenden Kleinhändlers Peter Joseph Feyen und seiner Frau Anna Catharina. Nach dem Besuch der Volksschulen in Mönchengladbach und Dilkrath und dem Durchlaufen eines dreijährigen Vorbereitungskursus besuchte er ab 1903 das Königlich-Preußische Lehrerseminar in Odenkirchen. In Meerbeck (heute zu Moers gehörend) trat er 1906 seine erste Lehrerstelle an. An der neugegründeten katholischen Volksschule lernte er als Lehrerkollegen seine spätere Frau Gertrud und den bekannten Geologen, Archäologen und Heimatforscher Prof. Dr. Dr. Albert Steeger kennen. Aus dieser Zeit sind die ersten Landschaftsaquarelle und Portraits Feyens überkommen. Schon bei diesen frühen Landschaften zeigt sich seine besondere Begabung für die Wiedergabe ihres jeweiligen Stimmungsgehaltes. Im Jahre 1911 übernahm Feyen eine Lehrerstelle in Rheydt. Im Sommer 1913 heiratete er Gertrud Niggemeyer. 1914 kam das erste gemeinsame Kind, die Tochter Helene, zur Welt; ihr folgte 1915 der Sohn Heinrich. Vier weitere Kinder des Paares verstarben schon vor Vollendung ihres zweiten Lebensjahres. Während seiner Zeit in Rheydt entstanden eine Reihe von Stillleben, bei denen Feyen das Aquarell eher wie eine kolorierte Zeichnung handhabte und z. B. Darstellungen der Schlösser Liedberg und Myllendonk mit für die Aquarelltechnik eigentlich untypischem, deckendem Farbauftrag schuf. Gleichzeitig finden sich aber auf seine weitere Entwicklung vorausweisende Arbeiten, bei denen er die Aquarellfarbe durchgängig dünn auftrug und z. B. Laubmassen zu größeren, ineinander übergehende und sich überlagernde Flecken zusammenzog. Indem er harte Farbkontraste mied, erzielte er einen einheitlichen, stimmigen Farbklang.

1922 wurde er auf eigenen Wunsch nach Anrath versetzt. Hunderte von Anrather Kindern sind Schüler des Lehrers Komelius Feyen gewesen. Viele ältere Bürger können sich noch gut an den strengen aber außergewöhnlich engagierten und mitreißenden Lehrer Komelius Feyen, das „Feye-Männecke", erinnern. Das kulturelle Leben Anraths gestaltete und prägte er in den 1920er und 1930er Jahren u. a. durch sein Engagement im Theater-Verein, als Gründer und Dirigent des Anrather Musikvereins 1923 und der Marine-Kapelle entscheidend mit. In dieser Zeit bekleidete er darüber hinaus auch das Amt eines „Dorfpoeten", denn er verfasste zu vielen offiziellen Feierlichkeiten so genannte Prologe, die er mit großem Pathos vorzutragen wusste.

Einige seiner Gedichte veröffentlichte er selbstbewusst in der Lokalpresse, der „Anrather und Neersener Zeitung". In dieser Zeit entsprach Feyen durchaus dem Bild eines „Hans Dampf in allen Gassen".

In der Darstellung des Lebensweges Feyens darf eine Erörterung seines Verhältnisses zum NS-Regime nicht fehlen. Nach Ausweis der Quellen gehörte er weder zu den „Tätern" noch ließ sich ihm eine antisemitische Haltung nachweisen. Wohl hat er anfänglich, wie die meisten Deutschen, die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten begeistert begrüßt und ist u. a. dem Nationalsozialistischen Lehrerbund NSLB sowie der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt beigetreten. Mitglied der NSDAP ist Feyen aber nachweislich nicht gewesen. Seit Ende des Jahres 1936 zog sich Feyen als Musiker und Dichter aus der von der Partei dominierten Offentlichkeit vollständig zurück. Zeitlich korrespondierend wandte er sich nun verstärkt der Malerei, vornehmlich der Darstellung der Landschaft rund um Anrath zu. Gegen Ende der der 1930er beginnt sich der „typische Feyen", der Maler der Bruchlandschaft, herauszubilden. Erst 1941 trat er mit seinen Arbeiten in die Öffentlichkeit. Die Jahre zwischen 1941 und 1944 sind mit einer dichten Folge von Ausstellungsbeteiligungen, vornehmlich in Viersen und Krefeld, die Phase einer gewissen lokal begrenzten Popularität Das Kriegsende 1945 bedeutet keinen harten stilistischen Bruch im Werk Feyens. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieb er dem Hauptthema seiner Malerei, der Landschaft, treu. Konsequenter als zuvor wandte Feyen nun die freiere Technik des Nass-in-Nass-Malens an und bezog häufiger das Weiß des Papiergrundes in die Gestaltung ein. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1951 konnte er sich ganz der Malerei widmen. Älteren Anrathern ist der in der Landschaft vor der Staffelei stehende und malende Feyen dieser Zeit noch gegenwärtig. Zugleich mehrten sich nun längere Aufenthalte an Mosel und Ahr bei denen ihn seine Malutensilien stets begleiteten. Wie viele niederrheinische Maler seiner Generation blieb Feyen Zeit seines Lebens der Malerei der durch Eugene Dücker sowie seine Schüler und Nachfolger geprägten Düsseldorfer Malerschule verhaftet. Dennoch fand er in den 1950em, ohne die Gegenständlichkeit zu verlassen, durch einen reduzierten und fast als minimalistisch zu bezeichnenden Einsatz seiner malerischen Mittel den Weg zu weitgehender Abstraktion.


Willemsen, Eva-Maria: Komelius Feyen 1886—1957.
Der Anrather Volksschullehrer, Maler, Musiker und Dichter,
hrsg. v. Hans Klein, Goch 2009. 168 S., 94 Abb.,
ISBN: 978-3-941559-04-2, 18,50 Euro.

Außer durch seine in vielen Privathaushalten gehüteten Aquarelle ist Feyen in Anrath durch die nach ihm benannte Komelius-Feyen-Straße präsent. In Anerkennung seiner kulturellen Verdienste hat die Stadt Willich seit 1992 die Pflege der Grabstelle Feyen auf dem Anrather Friedhof übernommen.

Erstmalig werden mit dieser 168 Seiten umfassenden und mit 94 Abbildungen üppig ausgestatteten Publikation Leben und malerisches Werk von Komelius Feyen gewürdigt. Grundlage bildet der umfangreiche Bestand an Arbeiten, der sich noch in Familienbesitz befindet. Ergänzt wird er durch Blätter, die sich vorwiegend in Anrather Privatbesitz und in öffentlichen Sammlungen befinden. Die Erstellung eines Werkverzeichnisses war nicht angestrebt. Die Auswertung des Nachlasses und die Ergebnisse der umfangreichen Recherchen in den Akten- und Zeitschriftenbeständen der Stadtarchive Mönchengladbach, Viersen, Willich, Krefeld und Kempen sowie im Viersener Kreisarchiv in Kempen runden die Darstellung der Kempener Kunsthistorikehn Eva-Maria Willemsen ab. Aussagen von Zeitzeugen, mehrheitlich ehemalige Schüler Feyens, halfen ihr, ein möglichst lebendiges Bild seiner Persönlichkeit zu zeichnen. In der Zusammenschau der vielfältigen Aktivitäten Feyens verbindet die Monografie lokale Kunst- und Zeitgeschichte.



Aus der Rheinischen Post vom 12.12.2009:

Hans Dampf in allen Gassen

Passend zur 1000-Jahr-Feier von Anrath im kommenden Jahr stellte Eva-Maria Willemsen ihre Monographie über den Anrather Lehrer, Maler, Musiker und Dichter Kornelius Feyen vor. Ein Allround-Künstler.


Die Kempener Kunsthistorikerin Eva-Maria Willemsen hat ein Werk über den Anrather Künstler Kornelius Feyen geschrieben und dazu eine kleine Bilderausstellung in der Josefshalle arrangiert.    RP-Foto: Wolfgang Kaiser

ANRATH/KEMPEN Wie könnte ein Buch über einen Mann, der vor allem durch seine Malerei bekannt wurde, besser vorgestellt werden, als mit Hilfe seiner Werke? Wer am Donnerstagabend die Josefhalle in Anrath zur Buchvorstellung besuchte, konnte sich zunächst an der Ausstellung unterschiedlicher Bilder von Kornelius Feyen erfreuen.

Gemeinsam mit dem Bürgerverein Anrath hatte die Autorin Eva-Maria Willemsen die Präsentation der Bilder, die sich nahezu alle in Familienbesitz befinden, organisiert. „Kornelius Feyen war vieles. Aber als Maler ist er den meisten in Erinnerung geblieben", bemerkte der stellvertretende Bürgermeister Guido Görtz bei der Begrüßung der Gäste im kleinen Saal derJosefhalle nach einem musikalischen Auftakt durch Julian Gerst am Piano.

Mit dem Buch „Kornelius Feyen - Der Anrather Volkschullehrer, Maler, Musiker und Dichter" hat Willemsen erstmals eine umfassende Studie über den bekannten Anrather geschaffen. „Bis zu dem Moment, in dem mich Professor Dr. Leo Peters fragte, ob ich über Feyen schreiben würde, konnte ich mit dem Namen nichts anfangen", gab Willemsen lächelnd zu. Doch sie sei schnell überzeugt gewesen, dass dieser Anrather eine eingehende Beschäftigung verdiene, fügte die Kempener Kunsthistorikerin an. Im Januar startete sie ihre Recherche in den Archiven der Städte Willich, Kempen, Viersen und Mönchengladbach. Danach ging es ans Schreiben. Im Herbst gab die Kunsthistorikerin das Buch in den Druck. „Die Arbeit hat Spaß gemacht, aber es war anstrengend. Feyen ist auch zeitgeschichtlich interessant. Wo gibt es einen Lehrer,der malt, musiziert und dichtet? Er muss ein Hans Dampf in allen Gassen gewesen sein", so Willemsen.

Der 1886 in Boisheim geborene Feyen lebte von 1922 bis zu seinem Tod 1957 in Anrath. Er unterrichtete an der Volksschule Anrath und prägte das kulturelle Leben stark mit. Der Lehrer war im Theater-Verein aktiv sowie Gründer und Dirigent des Anrather Musikvereins 1923 und der Marine-Kapelle. Zudem dichtete er, wobei einige seiner Gedichte in der Lokalpresse veröffentlicht wurden. Doch sein großes Steckenpferd war die Malerei. Feyen war ein Autodidakt. Eines der Hauptthemen seiner Aquarelle war die niederrheinische Landschaft rund um Anrath. Neben den wilden unberührten Bruchlandschaften und der Natur schuf er aber auch Stilleben und Porträts.

Der Grundgedanke des Buches stammt übrigens von Hans Klein, dem Mann der verstorbenen Enkelin Feyens, Juliane Havenstein-Klein. Er wandte sich an den inzwischen pensionierten Kulturdezernenten des Kreises Viersen, Professor Dr. Peter, der wiederum Willemsen mit dieser Aufgabe betraute.

von Natascha Becker