Chronik

Berichte über Aktivitäten des Bürgervereins

05.11.2009: Besuch beim Bildhauer Uwe Meints

Der Künstler
Uwe Meints, geboren 1957 in Krefeld, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Brüggen.
zur Webseite des Künstlers
Aus Anlaß der 1000-Jahr-Feier wird am 9. Mai des kommenden Jahres an der St.Johannes-Kirche eine Skulptur des Hl. Heribert, Stifter der Gemeinde Anrath, errichtet. Am 5. November besuchten Mitglieder des Bürgervereins Anrath gemeinsam mit Vertretern der Stadt Willich sowie Ludger Goossens, Vorstand der Sparkassenstiftung, und Renate Schwaiger als Zuständige für das Management der Stiftungsgelder den Brüggener Bildhauer Uwe Meints, der derzeit aus drei Kalksteinblöcken das Werk erarbeitet.










Aus der Westdeutschen Zeitung vom 6.11.2009:

Eine Heiligenskulptur zum 1000-Jährigen


Carla Meiendresch vom Anrather Bürgerverein im Gespräch vor dem
Kalkstein-Block aus dem die Skulptur entsteht.

Uwe Meints arbeitet in Brüggen an einem Kunstwerk für die Anrather Pfarre

7,5 Tonnen wogen die drei Blöcke aus grauem Kalkstein, als sie im Atelier von Uwe Meints in Brüggen angeliefert wurden. Inzwischen ist es schon ein bisschen weniger, denn der Bildhauer hat seine Arbeit begonnen.

Vor einem Jahr hatten ihn Mitglieder des Bürgervereins Anrath angesprochen, ob er sich mal zu einer Statue des Heiligen Heribert Gedanken machen könnte. Die soll nämlich zum 1000-jährigen Bestehen der Anrather Pfarre St. Johannes im kommenden Jahr im Mai aufgestellt werden. Heribert war vor 1000 Jahren Erzbischof in Köln, er gründete die Anrather Pfarre. Bis dahin mussten die Anrather immer nach Kempen zur Kirche.

Triptychon bringt drei Facetten des Heiligen Heribert zum Ausdruck

Meints lieferte dem Bürgerverein drei Entwürfe, sie wurden sich einig. Nun entsteht ein Triptychon - eine dreigeteilte Skulptur. Der Künstler hat sich zunächst ein Bild von der historischen Person Heribert gemacht - "zumindest ein ungefähres" - und möchte nun durch die Dreiteilung die drei Facetten des Mannes zum Ausdruck bringen. Da ist zunächst die weltliche Ausrichtung, "die Beziehung zu Staat und Gesellschaft und der Mensch als soziales Wesen", sagt Meints. Die zweite Seite ist die Beziehung zu Gott und Religion - eben der Kirchenmann. Und dann folgt der Mensch Heribert im alltäglichen Leben. Heribert ist für Meints übrigens der erste "eigene" Heilige. Kirchenfenster und -figuren hat er zwar schon viele saniert, aber noch keine geschaffen. Was er vom Heiligen Heribert bislang gelernt hat? "Dafür ist es noch zu früh, die Charakterbildung am Werk steht noch bevor." Bislang sei alles das Abtragen von Stein.

Das geschieht übrigens mit Pressluftunterstützung. "Das schafft wesentlich mehr Schläge pro Minute." Die Arbeit, für die er jetzt ein halbes Jahr angesetzt hat, würde sonst locker mehr als zwei Jahre dauern.

Zurzeit denkt Meints intensiv darüber nach, wie Gesicht und Hände von Heribert wohl aussehen sollen, wie alt er in der entstehenden Skulptur sein wird. Fest steht bereits, dass er ein lebendes Vorbild haben wird. "Jemanden aus meinem Bekanntenkreis, der auch bereit ist, mir dafür Modell zu sitzen. Aber ich weiß noch nicht, wer es sein wird, wer dazu passt", sagt Meints.

von Heike Ahlen



Aus der Rheinischen Post vom 11.11.2009:

Wie der heilige Heribert als Skulptur entsteht


Bildhauer Uwe Meints neben der Skulptur des liegenden Heiligen Heribert, die er für den Bürgerverein
Anrath anfertigt. RP-Foto: Franz-Heinrich Busch

"Ich habe noch einen weiten Weg vor mir – aber seien Sie ohne Sorge, am 9. Mai 2010 wird der Heilige Heribert vor der Anrather Kirche stehen." Mit diesen Worten empfing der in Brüggen lebende Bildhauer Uwe Meints die Mitglieder des Bürgervereins Anrath, Vertreter der Stadt Willich und Ludger Goossens, Vorstand der Sparkassenstiftung sowie Renate Schwaiger als Zuständige für das Management der Stiftungsgelder in seinem Atelier. Es galt, sich ein Bild zu machen vom Fortschritt der Arbeiten zu der Skulptur, die anlässlich des 1000-jährigen Bestehens der Katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes entsteht.

Vor einem Jahr kam der Bürgerverein Anrath mit der Vorsitzenden Karla Meiendresch auf Uwe Meints zu, um mit ihm die Möglichkeiten einer Skulptur zu einer Figur, über die wenig zu berichten ist, nachzudenken. Heribert lebte um 1000, war sowohl ein politischer als auch religiöser Mensch und wurde bald nach seinem Tod heilig gesprochen. 1010 gründete er die Pfarrgemeinde Anrath. Meints stellte einige Entwürfe und Ideen vor, schnell entschieden sich die Anrather für einen der Pläne. Dieser sah eine dreigeteilte Skulptur vor, die – im Gegensatz zu einer klassischen Heiligenfigur – nicht aufrecht steht, sondern liegend angelegt ist.

Heribert wird dargestellt als jemand, der "im Sturm des Lebens" steckt, der sein "Leben zusammenhalten und ordnen" will. Die Dreiteilung des belgischen Kalksteins, die auch nach Beendigung der Arbeiten durch die Sichtfuge deutlich bleibt, bezieht sich zum einen auf die christliche Tradition des Triptychons, zum anderen auf die drei wesentlichen Facetten der Persönlichkeit des Heiligen: als Individuum, als politischer Mensch, als religiöser Mensch.

2,40 Meter breit und hoch

Den Besuchern erklärte Meints die Schritte der Arbeitsprozesse, über die sich eine solch monumentale Skulptur – sie wird etwa 2,40 Meter hoch und breit – entwickelt: Die erste Phase besteht aus der groben Formfindung. Umrisslinien werden festgelegt. Dann wird das Profil herausgearbeitet und die Tiefen geklärt, das heißt wie weit die einzelnen Teile in den Stein zurückgehen. "Wie das nachher aussehen wird, weiß ich nicht genau", sagt Meints lächelnd und betont damit, dass das Monate lange Arbeiten am Stein ein Prozess ist, in dessen Verlauf sich der Bildhauer immer intensiver mit der Persönlichkeit des Abgebildeten und der endgültigen Formgebung auseinandersetzt.

Das Gesicht des Heiligen, von dem ebenfalls nichts bekannt ist, hebt Meints sich für den Schluss auf. Er vermutet, dass die Augen des Heiligen Heribert geschlossen sein werden. Die Augen der Besucher des Atelierbesuches jedenfalls waren neugierig weit geöffnet, die Zustimmung breit und die Vorfreude auf das Monument groß.

von Sigrid Blomen-Radermacher