Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 20. Dec. 2015

10 Jahre Bürgerverein

Aus dem Heimatbuch 1981

Als im Jahre 1969 die Diskussion um die kommunale Neugliederung ihren Höhepunkt erreicht hatte, wo gegen den Bürgerwillen die Gemeinden Anrath, Neersen, Schiefbahn und Willich in die neue Stadt Willich eingemeindet werden sollten, wurden Anrather Bürger aktiv, um die kleine Lösung eines Zusammenschlusses der Altgemeinde Anrath und Neersen mit dem künftigen zentralen Mittelpunkt an der heutigen Donkkampfbahn zu verfechten. Damit sollte eine 1000 Jahre geschichtlich und kulturell gewachsene Gebietsgemeinschaft erhalten bleiben.

Doch das Anliegen der Bürger blieb unberücksichtigt und am 1.1.1970 hörte die Altgemeinde Anrath durch ihre Eingemeindung in die Stadt Willich auf zu existieren. Durch diese Entwicklung wurde der ursprüngliche Plan, einen Bürgerverein Anrath-Neersen zu gründen, aufgegeben, da sich Neersen durch die Neersener Vereinsunion gegenüber der neuen Stadt Willich ausreichend vertreten sah. Um auch in Anrath eine entsprechende Bürgervertretung gegenüber der neuen Stadt Willich zu schaffen, gründeten nach vielen Vorgesprächen die nachfolgend aufgeführten Anrather Bürger den Anrather Bürgerverein am 2.8.1970 und setzten die Gründungsversammlung auf den 21.8.1970 fest:

  • Eberhard Bons, Süchtelner Straße
  • Josef Brockmanns, Jakob-Krebs-Straße
  • Hans-Peter Enger, An der Kollenburg
  • Theo Geißler, Berliner Straße
  • Friedrich Kluth, Neersener Straße
  • Gottfried Daum, Clörath
  • Hans Kairies, Gietherstraße
  • Werner Link, Reiherweg
  • Hans-Theo Ohlenforst, Am Krickerhof
  • Während der Gründungsversammlung am 21.8.1970 gab es insofern Schwierigkeiten, da einige Kommunalpolitiker und Vereine die Frage aufwarfen, ob ein Bürgerverein auch die Interessen der Anrather Vereine vertreten könne. Aus dieser Frage entstand die Gründung der Anrather Vereinsunion neben dem Bürgerverein Anrath, die sich jedoch mittlerweile mit dem Anrather Bürgerverein zusammenschloss.

    Den Vorsitz des neu gegründeten Bürgervereins übernahm Werner Link und seine Vertretung der Anrather Drogist Ewald Helling. Der Bürgerverein setzte sich die Ziele, die Rechte und Interessen der Anrather Bürger zu wahren, den von Anrather Bürgern in den Rat der Stadt Willich gewählten Vertreter zu unterstützen, das heimatliche Brauchtum zu pflegen und das Kulturleben in Anrath zu fördern und zu unterstützen.

    Parteiloser Bürger zum 1. Vorsitzenden gewählt

    In der Folgezeit übernahmen die Bürger Rolf-Dieter Brenner und Gottfried Commans den Vorsitz. Da der Bürgerverein seit seiner Gründung immer wieder in politische Interessenkonflikte geriet, wurde im Jahre 1975 der bis zu diesem Zeitpunkt ständige 2. Vorsitzende Ewald Helling, als parteiloser Bürger, zum Vorsitzenden des Anrather Bürgervereins gewählt.


    oben links: Fahne von 1873, unten links und rechts: Fahne von 1914 mit dem Motto "Vereinte Kraft - Alles schafft"

    Eine Überraschung erlebte der Bürgerverein während seiner Ausstellung Freizeitschaffen Anrath im Jahre 1975, als der frühere Gastwirt Heinrich Baaken zwei alte Fahnen des Bürgervereins Anrath übergab, die er auf dem Dachboden seiner früheren Gaststätte an der Viersener Straße Nr. 3 verwahrt hatte. Der Anrather Bürgerverein konnte nunmehr statt eines 5jährigen Bestehens plötzlich auf ein Bestehen von 128 Jahren zurückblicken.

    Hier erfuhren die Anrather, dass ein Bürgerverein bereits im Revolutionsjahr 1848 in Anrath gegründet wurde, der über längere Zeit aktiv war und im Jahre 1873 sowie im Jahr 1914 die besagten neuen Fahnen angeschafft hatte. Ziel auch dieses alten Bürgervereins war nach der alten Chronik, sich der Gestaltung von vaterländischen Festen, der Geselligkeit und der Unterstützung von hilfsbedürftigen Anrather Bürgern zu widmen.

    Anrather Kultur- und Brauchtum muss erhalten bleiben

    In der neueren Geschichte des Anrather Bürgervereins gestaltete sich die Schwerpunktarbeit immer mehr, neben der Vertretung von Anrather Bürgerinteressen dem Anliegen, überkommenes Brauchtum zu bewahren, Anrather Kultur- und Heimatgeschichte lebendig zu gestalten und der Zukunft zu erhalten, zuzuwenden. So ist schon lange in Anrath der Begriff Freizeitschaffen zu einem erfolgreichen Ausstellungsmotto geworden. Noch lange wird wohl in Anrath die Ausstellung Anrath und seine Vergangenheit anlässlich der Willicher Kulturwoche im Jahr 1978 unvergessen bleiben, wo durch mehrere hundert Ausstellungsstücke versucht wurde, die 1000jährige Dorfgeschichte Anraths darzustellen. Zu diesen heimatgeschichtlichen Aktivitäten führte schließlich auch die Herausgabe des Anrather Heimatbuches als wertvolle Ergänzung, die nicht nur Heimatgeschichte, sondern auch das Zeitgeschehen der Anrather Vereine der Zukunft zu überliefern. Dieses besondere Anliegen des Vorsitzenden Ewald Helling war derart erfolgreich, dass mittlerweile das 4. Anrather Heimatbuch erscheint. Vergangenes wurde weiterhin in zwei weiteren Broschüren des Bürgervereins Die Anrather Kirche von 1898 bis 1967 und Die Malbauern und ihr Werke festgehalten. Im geselligen Bereich bot sich besonders der Anrather Karneval an, hier Initiative zu ergreifen und statt kommerziellen Karneval einen typisch Anrather Karneval mit mehr Inhalt aus dem dörflichen Geschehen zu gestalten. Die bisherigen drei Karnevalsveranstaltungen im Jahre 1978/79/80 zeigen, dass auch hier der Bürgerverein unter Mithilfe der Anrather Vereine auf dem richtigen Wege ist.


    Die Vorstandsmitglieder 1980,
    von links: Gottfried Daum, Paul Schulze, Albert Kröckert, Hans-Peter Enger, Max Paar, Heinrich Joecken, Jürgen Nickel, Ewald Helling

    Doch auch soziale und örtliche Anliegen kamen bei diesen Aktivitäten nicht zu kurz. So hatte der Bürgerverein mit seinen bescheidenen Mitteln in Einzelaktionen Anrather Kinderarbeit, Behindertenarbeit und Maßnahmen der Altenbetreuung unterstützt. Aktionen für Strafgefangene anlässlich der Weihnachtszeit und die finanzielle Unterstützung der Anrather Mehrzweckhalle reihen sich in die Aktivitäten des Bürgervereins Anrath ein.

    Hier muss allerdings erwähnt werden, dass diese Aufgaben nicht immer leicht zu bewältigen waren, da der Bürgerverein Anrath keine öffentlichen Mittel erhält und diese Ziele nur mit den Mitgliedsbeiträgen seiner Mitglieder und aus den Spenden anlässlich der Ausstellungen finanzieren muss.

    Dass der Bürgerverein seine bisherige Arbeit überhaupt leisten konnte, ist den Mitgliedern zu danken, die durch ihre Beiträge diese Arbeit ermöglichten. Wir würden uns sehr freuen, wenn mehr Anrather Bürger Mitglied des Bürgervereins würden, um mit einem Jahresbetrag von 10 DM weitere Aktivitäten zu unterstützen. Für Rückfragen stehen Ihnen die Vorstandsmitglieder des Bürgervereins gerne zur Verfügung.


    (Dem letzten Absatz ist nichts hinzuzufügen, nur, dass der Jahresbeitrag heute 10 € EUR beträgt; ansonsten gilt er auch heute unverändert.)

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