Brieftaubenzuchtverein "Gut Flug" Anrath

Aus der Rheinischen Post vom 14.1.2010:

01735 – die besondere Nummer

(von Natascha Becker)

Taubenzüchter Andreas Bösch gehört seit 45 Jahren zum Anrather Brieftaubenverein. Die Leidenschaft liegt bei ihm in der Familie. Bereits sein Vater hatte Tauben. RP-Foto: Wolfgang Kaiser
2009 war für den Anrather Brieftaubenverein "Gut Flug Anrath" ein ganz besonderes Jahr. Die Taubenfreunde blicken auf 100 Jahre Vereinsleben zurück.

Als Matthias Stein am 19. Januar 1909 den Brieftaubenverein "Gut Flug Anrath" mit der Vereinsnummer 01735 zusammen mit fünf Mitstreitern ins Leben rief, hat er bestimmt nicht gedacht, dass 100 Jahre später immer noch rund 700 Tauben mit dieser Nummer auf dem Ring ihre Runden über den Dächern von Anrath drehen würden. "Wir haben zwar nicht die Mitgliederzahlen wie zur Hochzeit des Vereins um 1949/50, als 99 Mitglieder, davon allein 75 Jugendliche, dazu gehörten, aber es gibt doch noch einige Taubenfreunde", erzählt Vereinsmitglied Andreas Bösch.

Jeden Tag Betreuung

Der Anrather selber gehört dem Verein seit 1964 an, wobei schon sein Vater Tauben hatte. Die Tiere verlangen dabei den Besitzern einiges ab. Sie können nicht wie ein Tennisschläger in die Ecke gestellt werden, sondern brauchen jeden Tag Betreuung. "Füttern, Säubern, Freiflug, die Zucht, das ist vielen zu arbeitsintensiv. Außerdem benötigt man auch einiges an Platz für den Taubenschlag", weiß Bösch.

Treffen
Der Anrather Brieftaubenverein "Gut Flug Anrath" trifft sich jeden ersten Freitag im Monat um 19 Uhr in seinem Vereinslokal "Schmitz Mönk" an der Jakob-Krebs-Straße in Anrath.

Kontakt
Interessierte können gerne dazu kommen. Weitere Infos gibt es zudem im Internet unter http://gutfluganrath.de.tl.

Vom letzten Sonntag im April bis zum letzten Sonntag im Juli läuft die eigentliche Saison der Taubenfreunde. An 14 Wochenenden starten die Tauben von den verschiedensten Plätzen ihre Reisen. Angefangen von Linz an der Donau, der längsten Strecke mit 680 Kilometern, bis nach Gießen. Dabei muss nicht jeder seine Tauben eigenhändig an die Startplätze bringen. Es gibt einen gemeinsamen Lkw der verschiedenen Vereine im Umkreis von Anrath. Auf den werden die Tauben verladen und dann heißt es warten. "Je nach Wetterlage und Wind benötigen die Tauben für die 680 Kilometer von Linz sechseinhalb bis neun Stunden Flugzeit", berichtet Manfred Ascher, der seit 1965 Vereinsmitglied ist.

Welche Zeit eine Taube für den Heimflug benötigt hat, wird mittels Chip, der am Ring befestigt ist, festgestellt. "Wir haben alle Antennen an unseren Taubenschlägen und es ist im Prinzip das gleiche Zeitmesssystem wie beim Marathon. Die Taube fliegt den Taubenschlag an und wird erfasst", erklärt Bösch. Schummeln ist so nicht möglich. Ab und zu geht auch eine Taube verloren. Hochspannungen, Raubvögel und mitunter auch ein Jäger machen ihnen den Garaus. Ascher verlor so in diesem Jahr zwei, Bösch vier Tauben. Neben den so genannten Preisflügen ist der tägliche Freiflug für die Vögel ein Muss. Er dient nicht nur der artgerechten Haltung, sondern ist zeitgleich ein Training für die Preisflüge. "Wir lassen die Tauben dabei hungrig fliegen, so dass sie automatisch nach einer halben bis einer Stunde wieder in den heimatlichen Schlag zurückkehren, wo es dann Futter gibt", sagt Ascher.

Für ihn und die anderen sieben Mitglieder von "Gut Flug Anrath" ist es ein ganz besonderer Sport mit hochintelligenten Tieren, die sich am Magnetfeld der Erde orientieren und so immer nach Hause finden.