Anrather Vereine stellen sich vor:

Karnevalszugverein „Aach Blenge“ 1969 Anrath e. V.

Auszüge aus dem Heimatbüchern 1994 und 2002 - von Hans-Frieder Nöhles

Enns so-ate te same am ronge Dösch
enn de Wirtschaff' von Buscher Jupp
paar Anröthscher Jonges, die nann'den sech:
„Aach Blenge“ vom Fahrer Club.
Op emol haat Ludwig en tolle Idee
Fasteloovend stung vör de Dü-er:
Wi-er trecke dur Anroth, mö'm Warel, juchhe
on alle stemmden dofür.

So beginnt das von dem leider viel zu früh verstorbenen Fritz van Kaldenkerken getextete und in Melodie gesetzte Vereinslied des Karnevalszugvereins „Aach Blenge“. Es beschreibt die Anfänge des Vereins im Jahre 1969. 25 Jahre ist das nun her und damit eines Rückblickes würdig.

Damals hat wohl keiner derjenigen, die am runden Tisch zusammensaßen, daran gedacht, daß sich die Idee so lange halten würde. Doch der Reihe nach:

In der Gaststätte „Zum alten Zoll“ bestand seit 1965 eine Stammtischrunde, die oftmals lustige Streiche ausheckte. Die meisten der Freunde waren Kraftfahrer. Mit dabei war Ludwig Schelges. 1967 wurde ein Clubwappen in Form eines Lenkrades mit der Aufschrift „Fahrer-Club Anrath 1967“ geschaffen. Dieses Wappen hängt heute allerdings in der Gaststätte „Aach Blenge“Bauernstube“ in Anrath. Die Gaststätte wird von Ludwig Schelges und seiner Frau Charlotte geführt und ist Vereinslokal des Karnevalszugvereins „Aach Blenge“.

Bei einem Frühschoppen kam damals ein Gespräch über Karneval in Anrath zustande. In der früheren Karnevalshochburg Anrath waren sowohl der Straßenkarneval als auch die karnevalistischen Saalveranstaltungen, meist ausgerichtet von den Vereinen, ausgestorben. Ludwig Schelges war derjenige, der mit seiner Stammtischrunde wieder am Karnevalssonntag auf die Straße wollte. Kurzfristig wurde man sich einig. Ludwig, zur damaligen Zeit ambulanter Milchproduktehändler, stellte sein Firmenfahrzeug zur Verfügung, das mit abwaschbaren Milchfarben schnell zu einem Mottowagen hergerichtet werden konnte. Peter Dommers, ein Stammtischmitglied, sorgte für eine Musikanlage und Stammwirt Josef Buscher für die „geistigen Getränke“. Es herrschte eine prächtige Stimmung, als die Truppe durch die Anrather Straßen zog. Dieses Beispiel zog schnell Kreise. Die freiwillige Feuerwehr Anrath und ein Freundeskreis unter dem Namen „Kommune Anrath“ schlossen sich an. Für einen Tulpensonntagszug waren die Grundlagen geschaffen. In den folgenden Jahren griffen die einzelnen Gruppen aktuelle Themen auf, um diese karnevalistisch verpackt auf die Straße zu bringen. Noch gut in Erinnerung sind das Piratenschiff der „Kommune“ und „Borussia Mönchengladbach und der Büchsenwurf am Bökelberg“, dargestellt von Ludwig Schelges mit seinen Stammtischfreunden.

Ab 1973 fanden regelmäßige, von Ludwig Schelges einberufene Versammlungen statt, an denen alle teilnahmen, die sich am Straßenkarneval beteiligen wollten. Es wurden von Jahr zu Jahr mehr Interessenten.

Der ursprüngliche Stammtisch existierte zwar noch weiter, doch der Kreis der Karnevalsinteressierten führte bald ein Eigenleben. Zu Ludwig Schelges stießen noch weitere sieben Freunde. Einer von ihnen war Peter Dommers. Er hatte zur damaligen Zeit oft ein geflügeltes Wort auf den Lippen: „Do-e bös enne Blenge“, du bist ein Blinder. Dies bedeutete soviel wie „Du hast keine Ahnung“. Daraus entwickelte sich der Name der Runde „Aach Blenge“, die acht Blinden. Zugegeben, ein ungewöhnlicher Name für einen Freundeskreis im Karneval.

Die „Aach Blenge“ verstanden es, kräftig die Werbetrommel für den Straßenkarneval zu rühren. Der Freundeskreis hatte bereits einen Vorstand gebildet und lud, wie es sich gehört, im März 1977 zu einer Versammlung ein. Neben der Wahl eines neuen Vorstandes ging es darum, die ausgearbeitete Vereinssatzung zu verabschieden. Dies geschah einstimmig. Am 18. August 1977 veröffentlichte der „Öffentliche Anzeiger zum Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf“ in der laufenden Nummer 33 (ungewollt eine karnevalistische Zahl) den Eintrag

„KARNEVALSZUGVEREIN AACH BLENGE“ 1969 ANRATH e. V., Willich, Ortsteil Anrath (VR 1839)“.

Nun waren die Karnevalisten amtlich.

In den folgenden Jahren konnten sich die Organisatoren über einen regen Zuspruch zum Tulpensonntagszug freuen. Nicht nur die Beteiligung am Zug wuchs, sondern auch die Zahl der Zuschauer, die nach Anrath kamen, um sich das närrische Spektakel anzusehen. Das beflügelte alle Aktiven in ihrer Arbeit.

Da das karnevalistische Treiben in den Sälen eingeschlafen war, stellten die „Aach Blenge“ auch hier die Weichen neu. Sie luden von nun an jeweils am Karnevalssamstag in die Josefshalle nach Anrath ein. Waren es zunächst reine Kostümbälle, so mauserte sich die Veranstaltung bald zu einer richtigen Karnevalssitzung. Hierzu luden die Organisatoren bekannte und beliebte Karnevalsinterpreten aus den Hochburgen des rheinischen Karnevals nach Anrath ein. Für eine Bombenstimmung war immer gesorgt. Die Eintrittskarten wurden den Veranstaltern förmlich aus den Händen gerissen. Es war „in“, am Karnevalssamstag in der Josefshalle gewesen zu sein.

Ab 1977 warben die „Aach Blenge“ für ihre Veranstaltungen. Zunächst war es lediglich ein Faltblatt mit vielen interessanten Hinweisen, bald wurde es seine selbstproduzierte Zeitung, und seit 1984 erscheint regelmäßig die „Tulpensonntagspost“. Sie wird seitdem von den „Willicher Nachrichten“ als Sonderbeilage an alle Haushalte in der Stadt Willich kostenlos verteilt und informiert über die Saalveranstaltung und natürlich auch über den Tulpensonntagszug. Die Tulpensonntagspost ist damit zu einer festen Informationsquelle für alle Karnevalisten geworden. Darüber hinaus weisen Plakate in allen Stadtteilen auf das karnevalistische Ereignis hin.

Seit dieser Zeit führt der Karnevalszugverein „Aach Blenge“ ein eigenes Wappen - oder, wie es heute heißt, ein Logo -, das von Peter Enger, dem Herausgeber der Willicher Nachrichten, gestaltet und dem Verein zur Verfügung gestellt wurde. Es zeigt eine dickbäuchige 8 mit verbundenen Augen, eine Narrenkappe tragend.

Seit Beginn des Straßenkarnevals haben alle Umzüge ein Motto bekommen. An der Suche nach einem zugkräftigen Slogan beteiligten sich viele Bürger unserer Stadt mit Vorschlägen und zeigten damit ihre Verbundenheit zum Anrather Straßenkarneval. Aus 50 und mehr Gruppen setzte sich in den vergangenen Jahren der Tulpensonntagszug der Stadt Willich im Stadtteil Anrath zusammen. Hierzu zählen auch die Musikkapellen, die immer wieder gerne nach Anrath kommen. Die Stimmung ist hier noch ursprünglich. Es herrscht zwar eine gewisse Ordnung, doch der Kontakt zu den Besuchern am Straßenrand oder zu den Tränken, die von den Anliegern am Zugweg eingerichtet werden, ist sehr wichtig und gewollt.

Was aber wäre ein Tulpensonntagszug in Anrath ohne die Vereine, Gemeinschaften und Gruppen, die letztlich den Zug bilden? Sie setzen ihre Ideen immer wieder in die Tat um. Sie kostümieren sich, gestalten ihre Mottowagen und wenden hierfür erhebliche finanzielle Mitte auf. Oftmals wird auf politische Geschehnisse in der Stadt angespielt. Der Glanzpunkt eines jeden Tulpensonntagszuges ist aber das Stadtprinzenpaar mit Gefolge und Prinzengarde. Seit einigen Jahren ist auch das Stadtkinderprinzenpaar in Anrath mit dabei.

Alle Beteiligten freuen sich immer auf das schon sprichwörtliche „Aach-Blenge“-Wetter am Tulpensonntag. Trotz der unterschiedlichen Karnevalstermine im Kalender herrschte meistens tolles Frühlingswetter, mit Sonnenschein und verwandelte die Anrather Straßen in ein närrisches Tollhaus.

Im Jahr 1987 stiftete das Stadtprinzenpaar der Session 1976/77, Peter I. und Mia II zwei wunderschöne riesengroße Wanderpokale für die beste Fuß- und die beste Wagengruppe im Tulpensonntagszug. Diese Pokale fanden bisher bei den Gewinnern großen Anklang und spornen die teilnehmenden Gruppen zusätzlich an. In einer besonderen Veranstaltung werden die Pokale überreicht, wobei eine heimische Altbier Brauerei zusätzlich unterstützend in dankenswerter Weise mitwirkt.


Kontakt: Frank Klingen, 1. Vorsitzender, Webseite: www.aach-blenge.de