Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Das Krankenhaus

Aus der Beschreibung der Denkmalbehörde:
Denkmal-Nr. 48
Baujahr 1902
Eintragung als Denkmal 04.08.1986
Denkmalbeschreibung Das ehemalige Lorenz-Schmitz-Hospital in Anrath stellt den ersten eigentlichen Krankenhausbau der Gemeinde dar. Die Vorgängereinrichtung, das 1873 eingeweihte, zuletzt 1881 erweiterte "Laurenz-Hospital" war noch als Armen- und Krankenhaus erbaut worden.
Die medizinische Betreuung Vorstellungen und Anforderungen an Hygiene, Pflege und medizinische Betreuung sowie die unzureichende räumlichen Gegebenheiten erzwangen bereits 1902 den Beschluss für einen vollständigen Neubau; es ist dies im wesentlichen das bis heute erhaltene Gebäude.
Finanzielle Schwierigkeiten - die Mittel der Lorenz Schmitz`schen Stiftung reichten nicht aus, Zivilgemeinde und Gemeinderat mussten schließlich einspringen - ließen den tatsächlichen Baubeginn erst im August 1904 zu, nachdem die Gemeinde das Grundstück an der Neersener Straße erworben hat.
Planung und Bauaufsicht oblagen dem Krefelder Architekten Cleve.
Der Winkelbau konnte 1906 in Nutzung genommen werden. Er diente zur Aufnahme von 90 Personen: Kranke, Alterspfleglingen und Kindern; auch hier ist somit noch eine mehrfache Nutzung festzustellen. 1926 wurde ein eigenes Altersheim eingerichtet; erst 1947 zogen die letzten Waisenkinder aus dem der unterschiedlichen Nutzung nicht gerecht werdenden Gebäude aus. Bis ca. 1970 diente es - immer wieder modernisiert - ausschließlich als Krankenhaus. Seitdem nimmt es verschiedene städtische Nutzungen auf.
Es handelt sich bei diesem ab 1904 errichteten Gebäude um einen asymmetrischen Winkelbau zu 2 Geschossen über hohem Sockel mit einem wohl später in der heutigen Form ausgebauten Satteldach. Der nüchterne Ziegelbau wird durch helle Putzstreifen und einfache Ziegelornamente sparsam gegliedert; die Sohlbänke der größtenteils mit Stichbögen überfangenen Fenster waren mit ursprünglich farbig (dunkelgrün) glasierten Ziegeln abgedeckt. Im Winkel gelegen, führt die Erschließung zu einer erheblichen Asymmetrie sowohl in der inneren Anlage (entgegen der bei solchen Zweckbauten der Zeit vorherrschenden Symmetrie unter Berücksichtigung der Lichtverhältnisse) als auch in der Fassadengestalt. Der parallel zur Neersener Straße gelegene Gebäudeteil - als Schauseite auch architektonisch hervorgehoben - ist unterschieden in den mächtigen Giebelbau und dem nach rechts anschließenden, leicht zurückspringenden quergelagerten Baukörper, der rechts außen in der Flucht eine rückwärtige Verlängerung erfährt. Der giebelständige Baukörper mit seinem mittleren Portal und vorgelagerter Freitreppe umfasst 7 Achsen im Verhältnis 2 : 3 (bzw. Portal) : 2.
Neben nachstehenden noch aufgeführten Gliederungselementen erhält die Mittelachse durch drei, bereits der Dachzone zuzurechnenden Fenster bzw. eine mittlere Rundbogennische mit eingestellter Heiligenfigur zusätzliche Steigerung. Der hochaufragende Scheingiebel mit treppenartig gestufter Firstkrönung wird von seitlichen Eckwarten gerahmt. Das rundbogige Portal wird motivisch gesteigert durch einen rundbogigen Überfangbogen, der die beiden oberen Geschossfelder rahmt; die umschlossene Fläche erhält durch Ziermauerung und Putzstreifen reiche Gliederungen, die einer Kreisform mit mittlerem Rundfenster und sechs rahmende Kreiselementen endet. Deutlich abgestuft verfügen die Fenstergliederungen der seitlichen Achsen über kleinere Überfangbögen mit umschlossenen Putzflächen und dreifacher einbeschriebener Kreisform.
Stichbogenfenstern im Erdgeschoss und Rundbogenfenster in den oberen Zonen runden das Bild der reichen, in der Fläche bleibenden Schmuckelemente ab. Der vierachsige Seitentrakt - die Achsen jeweils durch über beide Geschosse fortgeführte Putzbänder getrennt - übernimmt ganz abgeschwächt den vorgenannten Formenkanon: 3fach aufgeteilte Putzfenster vermitteln zwischen Fenstern der beiden Geschosse, ein umlaufender Rundbogenfries bezeichnet die Mauerkronen; das abgewalmte Satteldach weist nur geringen Dachüberstand auf. Die breit gelagerte Seitenfront mit ihren asymmetrischen 3 Fensterachsen scheint unverändert.
Zweigeschossigkeit, Stichbogenfenster und umlaufender Rundbogenfries bestimmt die zurückhaltend gestalteten rückwärtigen Gebäudeteile. Die beiden rückwärtigen Giebelseiten sind durch spätere Umbauten - Vergrößerung von Fenstern bzw. Anbau eines Auszugsturmes nachhaltig verändert.
Im Inneren verdient das unverändert erhaltene Haupttreppenhaus mit seiner ursprünglichen Gestaltung (erneute und verfälschende farbliche Bearbeitung) mit Teilen der ursprünglichen Verglasung Erwähnung.
Das stilistisch nicht einheitliche Gebäude - der Formkanon bedient sich Elemente zwischen Romanik, Gotik und Renaissance - kann als typischer Vertreter des um die Jahrhundertwende herrschenden Stilpluralismus gelten, der vor allem im öffentlichen Bauten seinen Niederschlag fand.
Das Gebäude erhält seinen Denkmalwert aus kunst-, hier besonders architekturgeschichtlichen, historischen bzw. medizingeschichtlichen sowie ortgeschichtlichen Gründen.
Zum Hauptgebäude gehörig ist ein eingeschossiger Anbau an der rechten Grundstücksseite.


Denkmalbeschreibung und Foto zur Verfügung gestellt von den Eheleuten Limburg, Wegberg