Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

Alfons Schönrock: Als Ministrant an St. Johannes Anrath

Eine Erinnerung aus der Jugendzeit

(aus dem Anrather Heimatbuch 1989)

Es liegt schon eine Reihe von Jahrzehnten zurück, als ich zusammen mit einigen Schulkameraden dazu ausgewählt wurde, eine durch Schulabgang bei den Meßdienern in der Pfarrkirche St. Johannes entstandene Lücke zu schließen.

Die sich über etliche Jahre hinziehende Tätigkeit als Meßdiener in damaliger Zeit hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weshalb ich an dieser Stelle einmal davon berichten möchte. Als Priester wirkten damals Dechant Karl Hack und die Kapläne Angermann und Zimmermann, wobei Angermann u.a. für das Ressort "Meßdiener" zuständig war. Der vor dieser Zeit als Kaplan an der hiesigen Pfarrkirche tätig gewesene Prälat Marschang war mittlerweile Anstaltspfarrer am Anrather Gefängnis geworden, hat jedoch trotz seiner vielfältigen Aufgaben in einem neuen Wirkungskreis weiterhin in der Pfarrgemeinde ausgeholfen, wenn Engpässe im kirchlichen Dienst entstanden. In Anrath gab es zudem bereits damals eine Reihe von Familien, zu deren Verwandtschaft Priester gehörten, die hier in vielfach regelmäßigen Zeitabständen zu Besuch weilten oder ihren Urlaub verlebten und bei diesen Gelegenheiten oft in unserer Kirche zelebrierten. Auch halfen insbesondere vor und an hohen Feiertagen Kapuziner-Patres aus dem Kloster Krefeld-Inrath aus. Nicht selten wurde von zu Besuch weilenden Geistlichen die hl. Messe an einem der Seitenaltäre gelesen.

So ist es nicht verwunderlich, daß in jener Zeit von den Meßdienern - der Stamm bestand aus nur 14 Jungen - voller Einsatz und Hingabe im kirchlichen Dienst vorausgesetzt wurde. Dies umsomehr, als sehr oft in der Krankenhauskapelle und der Kapelle des Schwesternhauses an der Bahn ausgeholfen werden mußte. Sogar in den beiden Kirchen des Gefängnisses (Männer- und Frauenhaus) mußten wir Meßdiener aus dem Ort in Einzelfällen einspringen. In meinen Meßdienerjahren wurde der Gottesdienst bekanntlich noch nach altem bzw. lateinischem Ritus gefeiert, was einen erheblich vermehrten Einsatz am Altar bedeutete. So war ein Dienst am Altar nur möglich, wenn der Meßdiener eine Reihe lateinischer Gebete, die im Wechsel mit dem Priester oder als Antworten zu verrichten waren, auswendig konnte.

Man kannte es früher nicht anders, daß in Anrath stets 3 Priester (der Pastor und 2 voll einsatzfähige Kapläne) vorhanden waren. Die Gottesdienstordnung sah täglich 3 Messen vor, während sonntags 4 Messen, die letzte als Hochamt, gelesen wurden. Unmittelbar vor Beginn des Hochamtes sang der Kirchenchor stets das "Asperges me", während der Priester mit dem Aspergill unter Vorausgehen des Meßdieners mit Nachfüllbehälter rund durch den Kirchenraum schritt, um die anwesenden Gläubigen mit Weihwasser zu segnen. Wer Glück hatte, bekam hierbei einen ordentlichen Guß ab.

Das in der Kirche beschäftigte Personal bestand anfangs meiner Meßdienertätigkeit aus dem Küster (Johann Dülks) und dem Organisten (Jacob Schouren), Als beide aus dem Dienst ausschieden - letzterer wegen fast völliger Erblindung -, kam nach mehreren Wechseln Herr Josef Schiffers nach Anrath, der beide Posten in einer Person versah. Herr Schiffers war ein hervorragender Organist und Dirigent des Kirchenchores. In seiner Tätigkeit als Küster wurde er von den Schwestern des Krankenhauses unterstützt, die insbesondere die Ausschmückung der Altäre mit Frischblumen übernommen hatten. Das oft, meistens vor hohen Feiertagen, am Hochaltar anzubringende umfangreiche Kerzenarrangement wurde lange Zeit von Kaplan Angermann ausgeführt. Er verfügte über ein besonderes Geschick zur Ausschmückung des großen Altares, der diese Arbeit zu seinem Hobby gemacht hatte. Pastor Hack besaß eine außergewöhnliche musikalische, insbesondere kirchenmusikalische Begabung. Bei Erkrankung oder Abwesenheit des Organisten dirigierte Pastor Hack den Kirchenchor, mit dem er im Laufe der Zeit eine große Anzahl mehrstimmiger Messen und Chorgesänge einstudiert hatte. Vielfach mußte sich Pastor Hack bei Gottesdiensten, in denen der Chor mitwirkte und die mit "drei Herren" gefeiert wurden, am Altar vertreten lassen, um das Dirigat ausführen zu können.

Die vorhandenen 14 Meßdiener waren in 7 Paare eingeteilt und mit a und b durchnumeriert. Ein Wohltäter hatte für die Meßdiener Kissen zum Knien am Altar bzw. im Altarraum gestiftet, wobei auf den einzelnen Kissen die Nummern der Meßdiener eingestickt waren. Vor Beginn der Gottesdienste wurden die Kissen an der Stelle niedergelegt, an der die einzelnen Meßdiener ihren Dienst zu verrichten hatten. Während bei einfachen Messen immer 2 Meßdiener eingeteilt waren, mußten bei feierlichen Gottesdiensten stets alle Meßdiener zur Stelle sein. Die Diensteinteilung galt jeweils für eine Woche. Anstrengend war der Dienst in den langen Wintermonaten, was besonders für die jeweils eine Woche lang zur Frühmesse um 6.15 Uhr eingeteilten Meßdiener zutraf. Da mußten bei Dunkelheit, Kälte, Eis und Schnee oft beträchtliche Wege bis zur Kirche zurückgelegt werden. Nach der Messe ging es dann wieder nach Hause, um nach raschem Frühstück die Schulsachen zu packen und zur Schule zu gehen.

Das Glockengeläute wurde bereits damals elektrisch betrieben. Es wurde je nach Feierlichkeit und Anlaß einzeln oder zusammen 15 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes in Betrieb gesetzt. Im Dachreiter der Kirche befand sich ein kleines Glöcklein, das vom Chorraum aus noch von Hand mit einem Seil betätigt wurde. Das Glöcklein, im Volksmund auch "Klemp" genannt, wurde vom Meßdiener immer 5 Minuten vor Meßbeginn geläutet, um die auf dem Kirchgang befindlichen Gläubigen auf die gebotene Eile aufmerksam zu machen. Einer der diensttuenden Meßdiener hatte die Aufgabe, auch bei der hl. Wandlung die "Klemp" zu bedienen. Der Kirchenraum war seit einer langen, nicht festzustellenden Zeit in eine Männer- und Frauenseite eingeteilt. Die rechte Seite, an der sich der Predigtstuhl befand, war den Männern vorbehalten, wobei die ersten beiden Bänke den Mitgliedern des Kirchenvorstandes zur Verfügung standen. Die linke Seite galt als Frauenseite und hier waren die beiden ersten Bänke den zahlreichen Ordensschwestern, die im Krankenhaus, Kindergarten, Altersheim (Wohlfahrtshaus) und dem Haus der hl. Familie an der Bahn tätig waren, reserviert.

Die Kommunionbank bildete die Trennung zwischen dem Kirchenraum und dem Alterraum. Sie wurde während meiner Meßdienerzeit in zwei zu öffnende und zu verschließende Teile geschnitten, um den Durchgang innerkirchlicher Prozessionen zum Hauptaltar zu gestatten.

Nun etwas über die einzelnen Aufgaben der Meßdiener in damaliger Zeit. Aus dem allgemeinen Dienst am Altar ragten einige Gottesdienstarten heraus. Sofern es mit dem Schulunterricht zu vereinbaren war, wurden wir in Einzelfällen zum Dienen der Brautämter bzw. bei Trauungen hinzugezogen. Diese Tätigkeit war sehr interessant und blieben uns oft Eheleute, bei deren Trauung wir als Meßdiener zugegen waren, jahrelang im Gedächtnis haften. Einen tiefen Eindruck bei uns Meßdienern hinterließ jeweils das Dienen bei Begräbnisämtern und die Teilnahme an Beisetzungen. Die feierlichen Exequien in der Pfarrkirche waren bei unterschiedlichen Unkostenbeiträgen in drei Klassen eingeteilt. Grundsätzlich trugen die Priester hierbei schwarze Kaseln (Meßgewänder), deren Ausführung je nach Klasse einfacher oder kostbarer waren. Soweit ich mich zu erinnern vermag, wurden die Begräbnismessen in der ersten und zweiten Klasse von drei Herren zelebriert. Die Meßdiener, ebenfalls in Schwarz gekleidet, halfen dem Küster vor Beginn der Exequien erster Klasse bei der besonderen Ausgestaltung des Altarraumes mit schwarzen Decken, Altareinsätzen usw., um dem Trauergottesdienst einen entsprechend würdigen Rahmen zu geben. Da es damals Autos zum Leichentransport noch nicht gab, fanden hierzu grundsätzlich von Pferden gezogene und besonders konstruierte Leichenwagen Verwendung. Dem Pferd oder den beiden Pferden waren hierbei schwarze Umhänge angelegt. Da am Krankenhaus und am Friedhof nur je ein Behelfsraum zur Aufbahrung von Leichen vorhanden waren, - es gab noch keine Leichenhalle - verblieben die Verstobenen meistens bis zum Beerdigungstage im Sterbehaus. Von hie auszog der Leichenzug zunächst zur Kirche. Hier wurde der Sarg in den hierzu hergerichteten Raum unter dem Turm getragen und für die Dauer des Seelenamtes aufgebahrt. Nach Beendigung der Totenmesse erfolgte die Einsegnung der Leiche im Kirchenraum. Hiernach ging zur Beisetzung zum Friedhof.

Besonders aufregend war für: den Meßdiener die Teilnahme den sogenannten "Versehgängen" (letzte Ölung), heute Krankensalbung genannt. In sehr vielen Fällen wurde der Priester erst zu dem Kranken gerufen, wenn dessen Befinden sich in der Krise befand. Im Rahmen dieser Versehgänge wurde dem Schwerkranken auch die hl. Kommunion überbracht. In den meisten Fällen, wenn nur eben möglich, wurde der Priester auf diesem Weg von einem Meßdiener begleitet. Innerhalb des gesamten Ortskerns legten beide den Weg von der Kirche bis zur Wohnung des Kranken in vollem Ornat zu Fuß zurück, wobei der Priester die Burse mit dem Allerheiligsten auf der Brust trug. Der voranschreitende Meßdiener führte eine Laterne mit brennender Kerze in der Hand, wobei unter dem Griff der Laterne ein Glöckchen angebracht war. Es war Brauch, daß Straßenpassanten bei der Begegnung mit dem Allerheiligsten zur Verehrung niederknieten. Einzelfälle, in denen beim Eintreffen des Priesters der oder die Kranke bereits verstorben waren, haben mich bei Teilnahme am Versehgang jeweils tief erschüttert. Ich erinnere mich sehr gut daran, daß es zum heimatlichen Brauchtum gehörte, bei Vorliegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung seitens der Nachbarschaft des Kranken eine kleine Prozession zu bilden und den Rosenkranz betend zur Kirche zu ziehen, um dort die Gebete zu beenden.

Im Gegensatz zu dieser für uns Meßdiener seelisch belastenden Aufgabe stand die Begleitung des Priesters bei der Betreuung der alten Leute und Hauskranken, die zum Besuch der Kirche nicht mehr in der Lage waren. Diesen Gläubigen wurde monatlich die hl. Kommunion überbracht. Hierzu war mit der örtlichen Bauernschaft eine Vereinbarung getroffen, wonach alle Bauern, die eine geschlossene Kutsche (Landauer) besaßen, diese mit Pferd und Kutscher abwechselnd zur Verfügung stellten. So konnten an einem Vormittag etwa 10-12 Hauskranke gesucht werden, wobei Priester und Meßdiener wie sonst immer in vollem Ornat umherfuhren. Diese Kutschfahrten waren für den den Geistlichen begleitenden Meßdiener zusätzlich deshalb besonders begehrenswert, weil man bei einzelnen Leuten eine kleine Gabe in die Hand gedrückt bekam, die im Besitz des Beschenkten bleiben durfte. So manche kleinere Dienstleistungen im gottesdienstlichen Bereich kamen stets auf den Meßdiener noch hinzu, worauf in diesem Bericht aber nicht weiter eingegangen werden soll. Dennoch darf ein jährlich einmal stattfindendes kirchliches Ereignis nicht unerwähnt bleiben und zwar die Fronleichnamsprozession, bei der wir Meßdiener eine Reihe besonderer Aufgaben zu erfüllen hatten. Die Prozession führte sozusagen durch den ganzen Ort und hatte immer eine unwahrscheinlich große Beteiligung, da nicht nur weiteste Teile der katholischen Bevölkerung, die Schulen, Kommunionkinder, die Ordensschwestern, Geistlichkeit, Kirchenvorstand, Gemeinderat mit den Spitzen der Behörden, auch alle Vereine mit Fahnen dabei waren, u.a. die berittenen Mitglieder des Reitervereins "Lützow". Selbstverständlich wirkten auch der Kirchenchor und die Marinekapelle Anrath mit. Das damals mehr als geringe Verkehrsaufkommen ließ eine ungestörte Benutzung aller Hauptstraßen durch die Prozession zu, wobei unsere Dorfpolizisten voll für kleinere Absperrungen ausreichten. So waren jeweils im Ortsbereich vier große Altäre in wundervoller Ausschmückung durch bestehende Altargemeinschaften errichtet und zwar an Kauertz, Viersener Straße, an der früheren Gaststätte Wahlen, Jakob-Krebs-Straße, an der ersten Kurve der Schottelstraße - Stein - und im Hauptportal des Krankenhauses, Neersener Straße. Der Prozessionsweg führte von Altar zu Altar, wo die kirchenmusikalisch umrahmte Fronleichnamsliturgie gehalten und der sakramentale Segen erteilt wurden. Alle von der Prozession berührten Straßen und Wege trugen eine würdige Ausschmückung, wobei die Straßen teilweise mit kleingeschnittenem Schilf (Lühsch) gestreut waren. Man kann sich vorstellen, daß bei dem weiten Prozessionsweg und dem Aufenthalt an den vier Altären die Feier den ganzen Vormittag in Anspruch nahm und dann in der Kirche ihren Abschluß fand.

Auch bei den jährlich durchgeführten Prozessionen nach Kevelaer, Roermond und Orsbeck waren die Meßdiener stets beteiligt. Da diese Prozessionen ganz früher als Fußprozessionen veranstaltet wurden, fuhren stets Pferdefuhrwerke mit, um alten Leuten und Fußkranken eine Teilnahme zu ermöglichen. Wegen der großen Strapazen, die mit der jährlichen Prozession nach Trier zum Grab des hl. Matthias verbunden waren, auch wegen der Dauer, nahmen Meßdiener hieran nicht teil. Nennenswert halte ich noch einzelne Hilfeleistungen der Meßdiener bei den Aufgaben des Küsters. So ist mir die Betreuung der Turmuhr unvergessen geblieben. Das alte Uhrwerk befand sich im ersten Galerie-Raum über der Orgelbühne und hatte die Größe eines umfangreichen Kleiderschrankes. Es wurde durch mehrere Gewichte betrieben, die, soweit ich mich zu erinnern glaube, wöchentlich hoch in den Turm gehievt werden mußten. Dazu befand sich am Uhrwerk ein großer Schwengel, der von 2 Personen betätigt werden mußte. Dem Uhrwerk gegenüber befand sich der große Blasebalg für die Orgel und daran vorbei führte eine Treppe weiter in den Turm hinauf zum Glockenstuhl.


Jahresausflug der Meßdiener von St. Johannes Anrath im Jahre 1931 zu den Süchtelner Höhen. Links Dechant Karl Hack und rechts Organist und Küster Josef Schiffers, dazwischen die Meßdiener von links nach rechts: untere Reine sitzend: Willi Totten, Karl Leufgen, Michael Commans, Engelbert Peters, mittlere Reihe knieend: Reinhold Nellessen, Willi Drillen, Peter Stein, Franz Bermes und obere Reihe stehend: Jakob Totten, Ferdi van Vlorop, Alfons Schönrock. Bei diesem Ausflug fehlten leider 3 Meßdiener, deren Namen wegen mehrfachen Wechsels nicht mehr ermittelt werden konnten.

Als besondere Auszeichnung sahen wir Meßdiener es damals an, wenn man den Auftrag erhielt, in einem Krefelder Kloster in der Nähe der Dionysiuskirche die für die Pfarrkirche St. Johannes Anrath benötigten Hostien abzuholen, wobei das Fahrgeld für die Bahnfahrt erstattet wurde. In diesem Bericht darf keinesfalls die seit Jahrhunderten übliche Tätigkeit des Kirchenschweizers unerwähnt bleiben, zu dem wir Meßdiener einen besonderen Kontakt unterhielten, zumal diesem in der Sakristei für seine "Dienstkleidung" ein besonderer Schrank zur Verfügung stand. Während meiner Zeit war über einen langen Zeitraum hinweg Herr Fritz Lauten als Kirchenschweizer tätig, ein rechtschaffener Mann, den man noch nachträglich als Anrather Original bezeichnen kann. Der Kirchenschweizer trug einen roten Talar und eine runde, ebenfalls rote Kopfbedeckung, weiße Handschuhe und einen schwarzen Stab mitführend. Die Aufgabe des Kirchenschweizers bestand darin, Ruhe und Ordnung während des Gottesdienstes zu überwachen, reservierte Plätze freizuhalten und ein besonderes Augenmerk auf die stets zahlreich beim Gottesdienst anwesenden Kinder bezüglich des notwendigen gesitteten Verhaltens zu richten.

Nach dem Ausscheiden des Herrn Lauten durch Krankheit und Tod übernahm der in Anrath allseits bekannte und beliebte langjährige Vorsitzende des kath. Arbeitervereins und Mitglied des Kirchenvorstands, Willi Feld, den Posten des Kirchenschweizers, den er bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1939 versah. Herr Feld verstarb im Jahre 1967. Leider fand sich für den Dienst des Kirchenschweizers im Anschluß an Herrn Feld keine geeignete Persönlichkeit mehr, so daß dieses Amt verwaiste und schließlich ganz aus dem Kirchendienst verschwand.

An dieser Stelle sollen die Erlebnisse und Erinnerungen eines Meßdieners an St. Johannes Anrath enden. Es würde zu weit führen, sollte noch auf eine große Anzahl von kirchlichen Sonderveranstaltungen (Erstkommunionfeiern, Bischofsbesuche mit Firmungen, Ehejubiläen usw.) ausführlich eingegangen werden. Wenn auch neben dem Schulbesuch, den Hausaufgaben, Hilfe in der Familie usw. die sogenannte "Freizeit" knapp war, so bleibt die Zeit als Meßdiener doch unvergessen. Da das Heimatbuch es sich zur Aufgabe gemacht hat, u.a. insbesondere auch über das Brauchtum in Alt-Anrath zu berichten, so habe ich mich zur Abfassung dieses Artikels entschlossen, da hierin etliche Teile Anrather Brauchtums und Heimatgeschichte berührt werden. Wie alles im Leben, so endete auch eines Tages die Meßdienerzeit, und mit dem Eintritt in das Berufsleben begann ein neuer Lebensabschnitt.

Zu dem vorstehenden Bericht sei noch angemerkt, daß die Bevölkerung Anraths vor 50 und mehr Jahren etwa aus 90 v.H. Katholiken bestand und die Zahl der Andersgläubigen, insbesondere der evangelischen Christen, verhältnismäßig gering war. Erst in der Nachkriegszeit stieg die Zahl der evangelischen Gläubigen in großem Umfange an. Jedoch wird mit Rücksicht auf den beschriebenen Zeitpunkt des Berichtes vorausgesetzt, daß dieser von allen Lesern toleriert wird.