Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

1970: Die alte Landschule in Clörath wird geschlossen

Aus dem Heimatbuch 1981:

Eine alte Landschule in Clörath

von Gottfried Daum

(alle Abbildungen auf dieser Seite können durch Anklicken vergrößert werden)



Die Clörather Schule vor ihrer Schließung im Jahre 1970.
Foto: G.Daum

Nach einem 113-jährigen Schulbetrieb wurde an der Clörather Schule im Jahre 1970 der Unterricht eingestellt und das Schulgebäude durch die Stadt Willich verkauft. Damit ist eine Unterrichtsstätte verloren gegangen, mit der sich viele Erinnerungen der Landbevölkerung dieser Bauernschaft verbinden.

Im Rahmen der allgemeinen Neuordnung des Schulwesens wurde mit Regierungsverfügung am 28.1.1856 angeordnet, daß für die Gemeindeteile Schiefbahn, Neersen, Hagwinkel und Clörath, soweit diese zum Schulverband Anrath gehörten, ein eigener Schulverband zu bilden sei. Nach diesem Erlaß wurde in Clörath alsbald gegenüber dem Klüppelshof (heute Schäferei Müller) damit begonnen, einen Schulbau zu errichten, der 1857 in Benutzung genommen wurde. Mit dem Lehrer Jakob van Kempen, einem Sohn des Anrather Lehrers Franz van Kempen, wurde am 22. Juli 1857 für die Unterrichtung der 80 schulpflichtigen Kinder ein Anstellungsvertrag geschlossen. Der Lehrer wurde verpflichtet, seine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen und im SommerUnterricht von 8 bis 11 Uhr und im Winter von 8.30 bis 11.30 Uhr und von 1 bis 4 Uhr außer Mittwochnachmittag zu erteilen. Er erhielt seine Wohnung in der Schule und den Garten zur Nutzung. Außerdem wurde mit ihm ein Gehalt von jährlich 280 Taler für den Unterricht und 13 Taler für die Reinigung und Heizung des Schulraumes vereinbart.


Der Clörather Lehrer Jakob Krichen, der an der Clörather Schule von 1874 bis 1909 Unterricht erteilte.

Der erste Schulvorstand setzte sich aus dem Anrather Pfarrer Peter Joseph Dardenne, dem Landwirt Johann Heinrich Ingmanns vom Hagwinkel und dem Landwirt Peter Wilhelm Schloßmacher aus Clörath zusammen.

Die einklassige Schule erwies sich jedoch schon bald als zu klein, sodaß 1866 zur Unterrichtung von mittlerweile 140 Schulkindern eine zweite Klasse eingerichtet und ein Hilfslehrer angestellt werden mußte. In dieser baulichen Gestaltung blieb dann die Schule bis zum Jahre 1937 unverändert.

Doch an dieser alten Schule waren mittlerweile so viele bauliche Mangel aufgetreten und dringende Modernisierungsmaßnahmen nötig, daß im Jahre 1936 nach einer Besichtigung durch Regierungsbaurat Boos in Begleitung des Bürgermeisters Hermanns aus Neersen die Genehmigung erteilt wurde, die Schule umzubauen.

Am 25.7.1937 wurde mit dem Um- und Erweiterungsbau der Clörather Schule begonnen. Der damalige Hauptlehrer Carl Huppertz mußte die Lehrerwohnung mit seiner Familie räumen und fand Unterkommen beim Landwirt Johann Wolters auf dem benachbarten Görtzhof. Die Schulmöbel wurden auf der nahegelegenen Hühnerfarm Giesen untergestellt und der Unterricht bis zu den Weihnachtsferien 1937 in der Gaststätte Berger in Vennheide durchgeführt.


Zeugnis aus dem Jahre 1897. Dieses Clörather Entlassungszeugnis ist von Bürgermeister Joosten aus Neersen, dem Pfarrer Schoenenberg aus Anrath und dem Clörather Hauptlehrer Krichen unterschrieben.

An der 80 Jahre alten Schule wurden zu beiden Seiten neue Flügel angebaut, wodurch die Frontseite eine Breite von 22 Meter erhielt. Während der linke Flügel mit dem Eingang und dem Treppenhaus für die Schüler ausgebaut wurde, bildete der rechte Flügel die Dienstwohnung des Lehrers. Die Frontseite wurde neu vermauert, so daß von der Straßenseite ein völlig neues Schulgebäude zu sehen war. Nach der Anlegung der Ummauerung und von zwei Sickerbrunnen belief sich der Kostenaufwand auf 30000 Mark. Nach diesem Umbau fanden in den geräumigen Klassenzimmern 100 Schulkinder bequem Platz.

Nachdem bereits die Clörather Schule im Jahre 1932 ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Anrather Pfarrkirche unter der Beteiligung der Clörather Bevölkerung, der Clörather Feuerwehr und mehreren Schützenbruderschaften und mit einer anschließenden Feier beim Maulbauern in Vennheide begehen konnte, nahte im Jahre 1957 der große Tag des 100-jährigen Schuljubiläums.

Am 24. Marz 1957 fand im überfüllten Saal des Malbauern in Vennheide die Jubiläumsfeierlichkeit statt. Nach Gesangs- und Musikdarbietungen der Schüler, des Gesangvereins und der Musikkapelle "Niersdorf" konnte Hauptlehrer Carl Huppertz den Schulrat Dr. Broich, Dechant Harff, Kaplan Hoven, Bürgermeister Herlitz, Gemeindedirektor Heller und den Gemeindevertreter Blinger begrüßen. Sein besonderer Gruß galt Pastor Grefertz, der als ehemaliges Clörather Schulkind zu dieser Feier angereist war. Sein Gruß galt auch den früheren Clörather Lehrern, die sich zur Festversammlung eingefunden hatten: Rektor Herlitz, Frl. Kraemer und Lehrer Kohnen.

Nach dem Jahre 1957 wurden noch viele Plane für einen weiteren Ausbau der Clörather Schule erwogen und niemand konnte ahnen, daß nach dieser großen Jubelfeier der Schule nur noch ein Alter von 13 Jahren beschieden war.


Während der 100-Jahrfeier überreichte Bürgermeister Herlitz aus Neersen dem Hauptlehrer Carl Huppertz eine holzgeschnitzte Marienfigur mit den Glückwünschen der Zivilgemeinde Neersen.






  1. Hauptlehrer der Clörather Schule:
  2. 1857-1874 Jakob van Kempen aus Anrath
  3. 1874-1909 Jakob Krichen aus Neersen
  4. 1909-1927 Leonhard Weyers aus Niederkrüchten
  5. 1930-1960 (1951) Carl Huppertz aus Rheydt
  6. 1947-1968 (1960) Hans Küppers aus Vorst
  1. 2. Lehrer an der Clörather Schule:
  2. 1857-1870 Hans Schmitz aus Hellabrunn
  3. 1874-1909 Jakob Krichen aus Neersen
  4. 1857-1872 Seven aus Schiefbahn
  5. 1872-1875 Poscher aus Anrath
  6. 1872-1876 Schlinken aus Clörath
  7. 1877-1884 Christine Pesch aus Clörath
  8. 1885-1887 Theodor Bister aus Kempen
  9. 1887-1890 Carl Böhm aus Pronikau
  10. 1890-1906 Johannes Breuer aus Giesenkirchen
  11. 1906-1907 Richard Pfeiffer aus Rheydt
  12. 1907-1909 Peter Hendricks aus Sevelen
  13. 1909-1912 Anton Weißweiler
  14. 1912-1914 Wilhelm Jansen aus Wegberg
  15. 1914-1915 Josef Kaiser aus Schiefbahn
  16. 1915-1916 H. Heffels aus Neersen
  17. 1915 Ferdinand Wolters
  18. 1915-1920 Mathilde Heinrichs
  1.  
  2. 1916 Plenker aus Neersen
  3. 1917-1924 M. Neuen aus Mönchengladbach
  4. 1924-1925 Frl. Degehard aus Kupferdreh
  5. 1927-1928 Ballensiefen aus Düsseldorf
  6. 1928-1930 Bernhard Stang aus Honnef
  7. 1930-1932 Frl. Spott aus Anrath
  8. 1932-1934 Frl. Bolten aus Neersen
  9. 1940 Lehrer Grefrath aus Anrath
  10. 1947 Marianne Borger aus Krefeld
  11. 1949-1955 Kurt Kohnen aus Neersen
  12. 1955-1961 Käthe Koenen aus Hüls
  13. 1960-1970 Rosa Niedergesass aus Wahlau
  14. 1961 Georg Kox aus Krefeld
  15. 1961-1970 Max Gobbers aus München
  16. 1968-1969 Rosi Gleich aus Clörath
  17. 1968-1969 Franziska Bogajewitsch


Die Clörather Schule vor ihrem Umbau im Jahre 1936. Foto: Maria Huppertz, Clörath


Zeichnung der Gaststätte Bergers um die Jahrhundertwende, in der während der Umbauarbeiten der Clörather Schule der Unterricht stattfand. Abb.: Joh. Pesch, Clörath


Umbau der Clörather Schule im Jahre 1937.


Die Clörather Schulkinder im Jahre 1936 mit dem Hauptlehrer Carl Huppertz.


Die Clörather Schule von der Rückfront im Jahre 1958.


Die Clörather Lehrkräfte im Jahre 1957 von links nach rechts:
Lehrer Hans Küppers, geb. am 15.11.1912 in Vorst, trat am 1.9.1947 seine Lehrerstelle in Clörath an. Nach dem Tode des Hauptlehrers Carl Huppertz wurde Hans Küppers mit Wirkung vom 1.10.1960 zum Hauptlehrer an der Clörather Schule ernannt. Er wirkte an dieser Schule bis zu seiner Ernennung als Rektor der Kath. Grundschule Anrath am 1.8.1968.
Lehrer Kurt Kohnen, geb. am 19.11.1903, wurde am 1.7.1949 an die Clörather Schule berufen. Am 10.8.1951 erfolgte seine Ernennung als Lehrer auf Widerruf. Am 1.4.1955 wurde er an die Schule in Neersen versetzt.
Lehrerin Maria Kraemer wurde am 1.1.1936 an die Clörather Schule berufen, nachdem sie dort bereits als Hilfskraft seit 1934 tätig war. Am 1.4.1956 wurde sie auf eigenem Wunsch in ihre Heimatgemeinde Lüttelbracht versetzt. Sie verstarb 1976 in Brüggen.
Hauptlehrer Carl Huppertz, geb. am 18.1.1900 in Rheydt, nahm seine Lehrtätigkeit im Jahre 1930 an der Clörather Schule auf. Am 31.10.1951 wurde er zum Hauptlehrer ernannt. Am 1.4. 1955 konnte er sein 25-jähriges Lehrerjubiläum feiern. Neben vielen Hobbys galt seine besondere Neigung der Taubenzucht, so daß es nur eine Frage der Zeit war, bis er am 11.9.1955 in Clörath den Taubenverein "Concordia" gründete. Carl Huppertz verstarb am Abend des 29.6. 1960 unerwartet neben seinem Hausgrundstück, auf dem er einige Tage zuvor den Grundstein zu seinem Eigenheim gelegt hatte.


Schulpflegschaft der Clörather Schule im Jahre 1957 von links nach rechts: Lehrerin Maria Kraemer, Hauptlehrer Carl Huppertz, Maria Huppertz, Lehrer Hans Küppers, Willi Smolders aus Clörath, Lehrer Kurt Kohnen.