Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

RP-Serie "1000 Jahre Anrath" Teil 7

Die Zeit der Kriege

Von Hans Kaiser - Niederländer und Spanier, Franzosen, Hessen oder Brandenburger - von 1583 bis 1715, an die 130 Jahre lang, wurde der Niederrhein fast ununterbrochen von fremdem Militär heimgesucht. Ob die durchziehenden Truppen "Freund" oder "Feind" waren, spielte für die kleinen Leute keine Rolle - das Militär war immer rücksichtslos.

Die Schlacht bei Anrath und Willich am 23. Juni 1758 (auch: Schlacht bei Krefeld oder (Zweite) Schlacht an der Hückelsmay): Unten links setzt die Hannoversche Armee über einen Wassergraben auf die Heide, darüber ist über einem Wäldchen Anrath zu erkennen. Abb.: Stadtarchiv

Am Anfang stand der "Truchsessische Krieg" - so genannt nach dem Kölner Kurfürsten Gebhard Truchsess von Waldburg, der aus Liebe zu einer katholischen Stiftsdame zum evangelischen Glauben übertreten wollte, damit er sie hätte heiraten können. Das aber konnte die katholische Partei nicht zulassen, denn wäre das Erzbistum Köln evangelisch geworden, hätte sich das Gleichgewicht im deutschen Reich verschoben, wäre kein Katholik mehr zum Kaiser gewählt worden.

Bald verschmolz der Truchsessische Krieg mit dem Aufstand, den seit 1563 die Niederländer gegen ihre spanische Zwangsherrschaft führten. Nie hat ein Krieg grausamer gewütet - als er zu Ende ging, waren etwa zwei Drittel der Menschen durch Soldaten, durch Krankheit und Hunger ums Leben gekommen. Anrath hatte Glück: Es lag an keiner großen Durchgangsstraße, die Heerhaufen zogen vorbei. Während Willich 1583 dem Erdboden gleich gemacht und Schiefbahn zum Teil niedergebrannt wurde, war der Ort 1584 und 1586 "nur" einige Male ausgeplündert worden.

"Anrath wurde am Morgen des 23. Juni 1758 Aufmarschgebiet zu einer Schlacht"

Schlimmer erging es den Anrathern während des Dreißigjährigen Krieges. Nachdem am 17. Januar 1642 eine kaiserliche Armee bei St. Tönis vernichtend geschlagen worden war, ergoss sich das siegreiche hessisch-französische Heer plündernd und sengend übers Land. Ein Regiment marschierte über den Kehn auch nach Anrath und zerstörte von den 60 Häusern des Fleckens 20. Nicht überliefert ist hingegen die Zahl der Menschen, die getötet wurden.

1667 setzten die Raubkriege des französischen Königs Ludwig XIV. ein. Bis 1715 brachten sie Einquartierungen, Plünderungen und Ausschreitungen, erzwangen Lieferungen aller Art. Nach einer Atempause begannen 1740 die Kriege des preußischen Königs Friedrich II. (auch der "Große" genannt) mit Besatzungen aus vieler Herren Länder.

Hierbei wurde Anrath am Morgen des 23. Juni 1758 Aufmarschgebiet zu einer Schlacht: Herzog Ferdinand von Braunschweig, Befehlshaber der hannoverschen Armee, führte in einem riskanten Umgehungsmanöver eine Abteilung von etwa 12000 Soldaten, von Kempen und Vorst kommend, zur Hülsheide östlich von Anrath, um das 47000 Mann starke französische Heer mit einem Angriff auf dessen linke Flanke zu überraschen.

Die mehrere Meilen lange Heersäule wand sich durch den Kehn, wurde aber durch die schmale Brücke am Berscheisbaum aufgehalten. Zwischen den Holterhöfen und Votzhöfen setzte Ferdinand zum Angriff auf die Franzosen an. Sie erwarteten ihn von Krefeld, aber nicht von Anrath. Die gelungene Täuschung führte zu einem vollständigen Sieg*).


erschienen in der Rheinischen Post am 02.09.2010


*) s.a. hier - an das Ereignis erinnern in Anrath heute noch der Prinz-Ferdinand-Platz und die Prinz-Ferdinand-Straße.