Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

RP-Serie "1000 Jahre Anrath" Teil 5

Die Doomers und die Dymbkespoort

von Hans Kaiser - Im Sommer 1664 kam ein seltsamer Besucher nach Anrath: Ein 40-jähriger Mann in städtischer Kleidung und mit modisch hohem Hut, der niederländisch sprach. Worüber man sich in dem Dörfchen nicht genug wundern konnte: Mit kunstfertiger Hand warf der Besucher Zeichnungen auf die Blätter seiner Skizzenmappe - Ansichten des Wirtshauses zur Blauen Hand und die genaue Wiedergabe eines Dorftores, der Dymbkespoort.

Ein Porträt (Ausschnitt) von Harmen Doomer, das Rembrandt schuf.
Foto: Metropolitan Museum

Ein Kunde war Rembrandt

Lambert Doomer hieß der Zeichner. Sein Vater, der Tischler Harmen Doomer, war 1613 von Anrath nach Amsterdam gezogen, wo er bald eine florierende Werkstatt für kostbare Rahmen und Schränke aus Edelhölzern betrieb. Einer seiner Kunden war der berühmte Maler Rembrandt van Rijn. Der Ex-Anrather lieferte ihm nicht nur Bilderrahmen, er wurde auch sein Vertrauter. Sein Sohn Lambert wurde Rembrandts Schüler.

Auf einer Studienreise durch das Rheintal nutzte der geniale Zeichner und Maler nun die Gelegenheit, um dem Stammort einen Besuch abzustatten - und für die aus Anrath stammenden Verwandten in Amsterdam einige Souvenirzeichnungen anzufertigen. Seine Zeichnung von der Dymbkespoort ist die detaillierteste bekannte Darstellung eines westdeutschen Dorftors aus dem 17. Jahrhundert. Sie hängt heute im Britischen Museum in London. Die Dymbkes-Pforte war eines von vier Toren, die spätestens seit Ende des 15. Jahrhunderts den Ort mit Wall und Graben schützten. Ein Überrest dieser Sicherungsanlagen, die nach 1860 endgültig verschwanden, hat sich in der "Waak", der "Wache", erhalten - einem Fußweg parallel zur Schottelstraße. Er liegt an der Stelle einer der Heckengassen, die statt der früheren Umwallung den Ort umzogen.

Ein genauerer Blick auf Doomers Dymbkes-Poortansicht zeigt uns, wie damals die Dorftore unserer Heimat konstruiert waren. Im Vordergrund sehen wir das Vortor, das an der Außenseite des Dorfgrabens den Eingang der Neersener Straße ins Dorf schützt. Es besteht aus zwei Öffnungen: einer breiten für den Fuhrwerksverkehr; das schwere doppelflügelige Tor, das diesen Einlass nachts verschließt, ist so weit zurückgeschlagen, dass man die Torflügel kaum erkennt.


Dymbkespforte, gezeichnet von Lambert Doomer

Durchlass für Fußgänger

Rechts daneben erkennen wir einen zweiten, schmaleren Durchlass für Fußgänger. Rechts lehnt sich an diese Toranlage ein Rondell an - eine halbkreisförmige, gemauerte Bastion, aus der man die Zufahrt zum Tor durch eine schmale Schießscharte unter Beschuss nehmen kann. Von dieser vorderen Befestigung führt ein querstehendes Dach zum dahinter liegenden Torgebäude - vielleicht ein geschützter Zugang. Rechts an das Rondell schließt sich eine mannshohe Hecke an. Sie verbirgt den dahinter liegenden Dorfgraben, etwa zehn Meter breit, der hier durch den Fahrweg zur Dymbkes-Poort durchschnitten wird. Unmittelbar hinter dem hier unsichtbaren Graben liegt das aus Fachwerk gebaute Torgebäude, Privatbesitz des Pförtners, der das Tor abends verschließt und morgens öffnet.


erschienen in der Rheinischen Post am 19.08.2010