Bürgerverein Anrath e.V. - Rheinische Post-Serie "1000 Jahre Anrath" Teil 4: Graben und Wall sichern Anrath
     
 
Quelle: Bürgerverein Anrath e.V. | www.buergerverein-anrath.de | Stand: 10. Jul. 2013

RP-Serie "1000 Jahre Anrath" Teil 4

Graben und Wall sichern Anrath


Der Flecken Anrath um 1600: Eine Rekonstruktion von Gottfried Kricker, dem Verfasser der 1959 erschienenen Anrather Ortsgeschichte. Abb.: Stadtarchiv
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von Hans Kaiser

Wir erinnern uns: Keimzelle der Anrather Siedlung waren der Herrenhof des Erzbischofs von Köln und die unweit gelegene Pfarrkirche, wo die umwohnenden Bauern sich regelmäßig zu Gerichtssitzungen oder Gottesdienst trafen. Die vier alten Straßen des Ortes - die heutigen Schottel-, Neersener, Viersener und Jakob-Krebs-Straße - laufen konzentrisch aus dem Umland auf den Treffpunkt Kirche zu.

Die regelmäßigen Zusammenkünfte zogen die ersten Ansiedler an: Handwerker und Gewerbetreibende, die hier häufige Kundschaft fanden. Sie ließen sich hinter dem Turm oder dem Chor der Kirche nieder, wo schließlich die Dimbkesstraße (heute: Neersener Straße) und die Hüskesstraße (heute: Jakob-Krebs-Straße) entstanden. Zu diesen ersten Ansiedlungen ist es vermutlich während des 12./13. Jahrhunderts gekommen.

Zuzug von Bauernsöhnen

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts war die Rodung der umliegenden Ländereien abgeschlossen. Nach und nach siedelten sich nun in dem kleinen Dorf Bauernsöhne an, denen das väterliche Erbe keinen Lebensunterhalt bot, weil es schon vom älteren Bruder bewirtschaftet wurde. Im Dorf wurden diese jüngeren Geschwister Handwerker, manche auch Wirte. Sie ließen sich vor allem in der heutigen Schottel- und Viersener Straße nieder. Folglich erscheinen, seit am Ende des 15. Jahrhunderts Urkunden und Akten zu sprechen beginnen, die Namen fast aller Bauernfamilien der Umgegend als Handwerker und Gewerbetreibende im Dorfbezirk.

Durch den Zuzug der Sprösslinge umwohnender Bauernfamilien vergrößerte der Ort sich rasch. Am 24. November 1414 erteilte Kaiser Sigismund ihm das Marktrecht. Daraus ergab sich ein Befestigungsrecht. Spätestens Ende des 15. Jahrhunderts ist das Dorf durch Graben, Wall und Tore gesichert - als erster der Willicher Stadtteile: Willich wurde erst um 1600 mit Wall und Graben umgeben, Schiefbahn 1608, und Neersen begnügte sich mit dem Schutz durch die Burg.

Aufgrund seiner Befestigung gilt Anrath nun als "Flecken" oder "Freiheit" - seine Einwohner sind von der Einquartierung durchziehender Kriegsvölker befreit und müssen für den Landesherrn außerhalb des Ortes keine Befestigungsarbeiten mehr verrichten. Dafür sind sie zum Unterhalt der eigenen Befestigung verpflichtet. Fazit: Von den vier Willicher Stadtteilen trägt Anrath am Ausgang des Mittelalters noch am ehesten stadtähnliche Züge. Spätestens 1402 hat es eine Schule, ab 1414 darf es mittwochs einen Wochenmarkt betreiben. 1516 wird ein Anrather Bürgermeister genannt. 1574 erhält der Ort ein eigenes Siegel; Willich beispielsweise erst 1643.


erschienen in der Rheinischen Post am 12.08.2010